Die Landschaft im Südwesten der USA 2018

Tag 9: Yuma – Palm Springs

Verfasst von:

G. Mumm
S. Okun
 

Tagesübersicht
 

Die Tagesroute führte am Montag, den 26. März 2018 von Yuma, im Südwesten Arizonas entlang des Salton Seas nach Palm Springs in Kalifornien. Die Exkursionsgruppe versammelte sich um 08:00 Uhr vor dem Coronado Motor Hotel zur Tagesbesprechung. Die thematischen Schwerpunkte waren an diesem Tag sowohl physisch- als auch humangeographisch ausgerichtet. Im Mittelpunkt standen Entwicklungs- und Entstehungsprozesse der Algodones Dunes und des Salton Seas, sowie Aspekte zur nachhaltigen Landwirtschaft im südlichen Teil des kalifornischen Längstals.

 

Abbildung 1: Routenführung für Tag 9. Quelle: Verändert nach https://www.google.de/maps (Stand: 06.06.2018).
Abbildung 1: Routenführung für Tag 9. Quelle: Google Maps 2018, verändert.

 

 

Algodones Dunes
 

Der erste Treffpunkt des Tages war die Buttercup Ranger Station in Winterhaven an der Interstate 8, mit direktem Zugang in den südlichen Teil der Algodones Dunes. Dieser Standort liegt in ca. 300 m Höhe über dem Meeresspiegel und ist einer der tiefgelegensten Punkte der gesamten Exkursion. Die gemessene Lufttemperatur beträgt 19 °C bei gleichzeitig relativer Luftfeuchtigkeit von 14 %.

Die Algodones Dunes verlaufen über 72 km entlang der östlich gelegenen Chocolate Mountains und sind bis zu 10 km breit.

 

Abbildung 2: Algodones Dunes. Quelle: Mumm 2018
Abbildung 2: Algodones Dunes. Quelle: Mumm 2018.

 

Im Ursprung waren sie zunächst Teil des ausgedehnten Dünenfeldes, das von Kalifornien nach Nordmexiko und bis ins südwestliche Arizona reichte. Der Sand entstammt, durch aeolische Prozesse, von den Ufern des Lake Cahuilla, der die Senke des Salton Troges auffüllte. Bei einer gemessenen Windgeschwindigkeit von 13 km/h kann ein aktiver Sedimenttransport beobachtet werden. Die windzugewandte Westseite der Dünen ist kleiner und variabler. Charakteristisch sind die ost-west orientierten, windparallelen Dünenkämme. Die dazwischenliegenden Täler sind durch starke Nordwestwinde fast vollständig ausgeweht. Durch diese Täler verlaufen die Interstate 8 und der All-American Canal.

 

Abbildung 3: Exkursionsgruppe in den Algodones Dunes. Quelle: Mumm 2018
Abbildung 3: Exkursionsgruppe in den Algodones Dunes.
Quelle: Mumm 2018.

 

Der südliche Teil der Algodones Dunes ist für die Öffentlichkeit zugänglich und steht, im Gegensatz zu dem nördlichen Teil, nicht unter Naturschutz.  Daraus ergeben sich unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten für die Menschen. Insbesondere an den Wochenenden werden die Dünen als Off-Road-Gelände mit bis zu 100.000 Motorcrossfahrzeugen genutzt.

 

Abbildung 4: Wettrennen von Studierenden in den Algodones Dunes. Quelle: Mumm 2018
Abbildung 4: Wettrennen von Studierenden in den Algodones Dunes.
Quelle: Mumm 2018.

 

 

Salton Sea 
 

Nach etwa 90 Minuten Fahrt erreichte die Exkursionsgruppe den nächste Treffpunkt, den Salton Sea. Dieser See ist mit knapp 1.000 km² und einer durchschnittlichen Tiefe von 15 m das größte Wasserreservoir in Kalifornien. Er ist inmitten der Colorado Wüste verortet. Nördlich des Sees liegt das Coachella Valley und südlich das Imperial Valley, die beide stark landwirtschaftlich geprägt sind. Im Becken zwischen den Chocolate Mountains und den Santa Rosa Mountains liegt der Salton Sea. Den östlichen Rand bildet die San-Andreas-Verwerfung. Diese Transformstörung geht im Golf von Kalifornien in eine Extensionszone über.

 

Abbildung 5: Satellitenbild des Salton Seas im Becken zwischen den Santa Rosa und den Chocolate Mountains. Quelle: Stäheli 2003
Abbildung 5: Satellitenbild des Salton Seas im Becken zwischen den Santa Rosa und
den Chocolate Mountains. Quelle: Stäheli 2003.

 

Der Salton Sea liegt etwa 70 m unter dem Meeresspiegel. Aufgrund von tektonischen Plattenbewegungen entlang der San-Andreas-Verwerfung werden einige Regionen gehoben und andere gesenkt. Unterhalb des Salton Seas bewegt sich die Erdkruste auseinander und lässt damit den Salton Trog entstehen, der wie bereits erwähnt, etwa 70 m unterhalb des Meeresspiegels liegt.

 

Abbildung 6: Salton Sea. Quelle: Okun 2018
Abbildung 6: Salton Sea. Quelle: Okun 2018.

 

 

Lake Cahuilla
 

Der Salton Sea entstand im alten Lake Cahuilla. Vor Millionen von Jahren, während des Pleistozäns verlief der Golf von Kalifornien an dieser Stelle und mündete in den Colorado River. Möglicherweise entstand dabei durch Schlammablagerungen eine Art Damm zwischen dem heutigen Salton Sea und dem Ozean. Hinter diesem Damm entstand ein riesiger Inlandssee. Im Laufe der Zeit hat der Colorado River seine Ausläufer häufig geändert, sodass das Salzwasser gegen Süßwasser ausgetauscht wurde. Dieser damalige Süßwassersee war ungefähr sechs Mal so groß wie der heutige Salton Sea. Der damalige See wurde als Lake Cahuilla bezeichnet. Die Spuren davon sind anhand der Uferlinie an den Gesteinen der umliegenden Berge auch heute noch erkennbar. Diese liegen im Durchschnitt etwa 13 m über dem Meeresspiegel. Auch dieser Baumstamm zeigt, dass der Meeresspiegel einmal deutlich höher stand.

 

Abbildung 7: Mit Salz bedeckter Baumstamm. Quelle: Mumm 2018
Abbildung 7: Mit Salz bedeckter Baumstamm. Quelle: Mumm 2018.

 

 

Entstehung des heutigen Salton Seas
 

Durch die Schlammablagerungen des Colorado Rivers im alten Lake Cahuilla, welche ebenfalls ein Hinweis für eine lange Depositionszeit ist, wurden viele Mineralien mittransportiert. Das führt dazu, dass auch heute noch der Boden des Imperial- und unterem Coachella Valleys sehr reichhaltig ist. Doch bereits die Native Americans lebten viele Generationen an diesem See, denn dieser war reich an Fischen, Wasservögeln und Pflanzen.

Doch vor ca. 500 Jahren begann der See, aufgrund von klimatischen Veränderungen, auszutrocknen. Während der See austrocknete wurden große Salzablagerungen sichtbar. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde diese Salzschicht von Arbeitern abgebaut. Zurückblieb nur ein trockenes Seebett. Zur Förderung der Region versuchte man Farmer in dieses Gebiet zuziehen und lockte dabei mit sehr fruchtbarem Boden. Das Bewässerungswasser wurde dabei über Kanäle aus dem Colorado River transportiert. Damit erhielt die Region auch einen neuen Namen -  das Imperial Valley war geboren.

 

Abbildung 8: Artenvielfalt um den Salton Sea. Quelle: Okun 2018
Abbildung 8: Artenvielfalt um den Salton Sea. Quelle: Okun 2018.

 

Die Kanäle für die Bewässerung waren jedoch schlecht gebaut, sodass die Farmer unzufrieden waren. Ein 1904 neu erbauter Kanal sollte Abhilfe schaffen, doch auch dieser wurde nachlässig erbaut. 1905 kam es daher bei Starkniederschlägen zur Überflutung des Colorado Rivers und das überschüssige Wasser floss ungehindert zum tiefsten Punkt des Valleys. Da es keinen Abfluss gab, stieg der Meeresspiegel immer weiter an. So kam es zur Entstehung eines Endsees - dem heutige Salton Sea. 

 

 

Salton Sea - Umweltprobleme
 

Das Wasser des Salton Seas leidet unter einer starken Verunreinigung durch Eintragungen aus der Landwirtschaft, denn letztendlich wird das Bewässerungsabwasser aus der Landwirtschaft in den See abtransportiert. Durch Zugabe von Stickstoff und Phosphor in der Landwirtschaft, werden diese Stoffe auch in den See weitergeleitet. Das Wasser enthält daher hohe Phosphor- und Selenwerte. Der enthaltene Phosphor im Wasser sorgt für eine Algenanreicherung im Wasser und führt so allmählich zu einer Eutrophierung des Sees und einer bräunlichen Färbung. Durch die hohe Selenkonzentration im Wasser, welche von den Fischen aufgenommen wird, entsteht eine Art Teufelskreis, denn die Fische wiederum werden von Vögeln gefressen, die darauf hin auch aufgrund der erhöhten Selenzufuhr sterben.

 

Abbildung 9: Verunreinigung des Salton Sea. Quelle: Okun 2018
Abbildung 9: Verunreinigung des Salton Sea. Quelle: Okun 2018.

 

Der einzige Fisch, der diesen Bedingungen standhält, ist der Tilapia. Dieser wurde damals künstlich dem See zugeführt um die Fischerei, während der Blütezeit in der Region voranzutreiben.

 

 

Salton Sea – Salzgehalt
 

Eine relative Luftfeuchtigkeit, wie beispielsweise am Exkursionstag, von nur 13,50 %, sowie eine Temperatur von 26 °C und wenig Regen führen zu hohen Verdunstungsraten. Die anhaltende Verunreinigung durch die Landwirtschaft, sowie die hohen Verdunstungsraten, lassen den Salzgehalt des Sees immer weiter ansteigen.

Der Salton Sea hat mittlerweile einen Salzgehalt von fast 6 %. Die Nordsee, oder auch der Pazifische Ozean haben im Vergleich nur 3,5 % und die Ostsee sogar noch weniger. Den Salzgehalt, auch im Vergleich zu anderen Seen und Ozeanen zeigt die untenstehende Abbildung.

 

Abbildung 10: Aushang im Visitor Center für den Salzgehalt im Salton Sea: Quelle: Visitor Center am Salton Sea
Abbildung 10: Aushang im Visitor Center für den Salzgehalt im Salton Sea: Quelle: Salton Sea Visitor Center o. J.

 

 

Landwirtschaft in Kalifornien
 

Seit 1950 steht Kalifornien ununterbrochen an der Spitze aller Bundesstaaten der USA bezüglich der Verkaufserlöse aus landwirtschaftlicher Produktion. Im Jahr 2002 wurden Verkaufserlöse in Höhe von 26 Mrd. $ umgesetzt. Erst mit weitem Abstand folgt Texas mit einem Wert von 14 Mrd. $. Auch der Anteil Kaliforniens an der agrarischen Wertschöpfung der USA ist mit fast 13 % sehr hoch. 

 

Abbildung 11: Anteil an der Landwirtschaft der USA (2002). Quelle: Klohn 2005
Abbildung 11: Anteil an der Landwirtschaft der USA (2002). Quelle: Klohn 2005.

 

Kalifornien ist somit der größte landwirtschaftliche Produzent der USA. Auf dem Weg nach Palm Springs vom Salton Sea ist erkennbar wie stark landwirtschaftlich geprägt diese Region, trotz des relativ trockenem Klimas, ist. Dies ist nur durch eine intensive Bewirtschaftung möglich, die sich in den hohen Anteilen am bewässerten Land und am Land in Obstgärten und Obstplantagen ausdrückt. Nahezu 54 % aller Obstkulturen der USA sind in Kalifornien gelegen. Die Zusammensetzung der Produktion ist in Kalifornien dabei jedoch sehr viel differenzierter als in anderen Bundesstaaten und unterscheidet sich somit grundlegend von anderen.

 

 

Nachhaltigkeit der Landwirtschaft in Kalifornien
 

Abbildung 12: Landwirtschaft in Kalifornien. Quelle: Okun 2018
Abbildung 12: Landwirtschaft in Kalifornien. Quelle: Okun 2018.

 

Auf dem Weg vom Salton Sea zu dem nächsten Treffpunkt wurde die riesige Fläche an Landwirtschaft, die in Kalifornien bewirtschaftet wird deutlich. Obwohl diese Region aufgrund des ariden Klimas sehr trocken ist, ist sie trotzdem der größte landwirtschaftliche Produzent der USA. Das führt dazu, dass enorme Wassermassen benötigt werden um die zahlreichen durstigen Pflanzen zu Bewässern. Hinzu kommt, dass aufgrund des Klimas sehr viel Wasser bei der Bewässerung verdunstet und somit den Pflanzen nicht zur Verfügung steht. Dies macht deutlich, dass Nachhaltigkeitsaspekte in der Landwirtschaft überhaupt nicht berücksichtigt werden.

Letztendlich hat Kalifornien sein wirtschaftliches Wachstum insbesondere der Ressource Wasser zu verdanken. Aufgrund der steigenden Bevölkerungszahlen, die rechtliche Situation in Hinblick auf die Wassernutzung und weitere Aspekte machen deutlich, dass es zukünftig wohl nicht zu weiterem Wachstum kommen wird.

 

 

Bautista Family Organic Date Ranch
 

Der letzte Stopp des Tages war die Bautista Family Ranch. Diese Ranch ist ein kleiner familiengeführter Betrieb, welcher 1989 seine Tore öffnete. Zwar wurden hier schon vorher Datteln angebaut, doch übernahm zu dem Zeitpunkt erst der Vater dieser Familie die Ranch. Dieser hatte zuvor selbst als Erntehelfer auf der Ranch gearbeitet. Um sich von der Konkurrenz abzuheben hat sich diese Ranch auf einen biologischen Anbau der Datteln spezialisiert. Das heißt sie benutzen keine Pestizide und keine künstlichen Düngemittel. Im Vergleich zu anderen Ranches ist diese mit etwa 6 Hektar verhältnismäßig klein. Hier werden sieben verschiedene Dattelarten angebaut. Die teuerste und größte davon ist die Medjool-Dattel, die besonders süß schmeckt.

 

Abbildung 13: Bautista Family Ranch. Quelle: Okun 2018
Abbildung 13: Bautista Family Ranch. Quelle: Okun 2018.

 

 

Bewässerung der Farm
 

Dattelpalmen benötigen viel Sonne, weshalb Kalifornien einen geeigneten Standort darstellt. Doch auch ausreichend Wasser benötigen die Pflanzen um die süßen Früchte produzieren zu können. Daher wird die Plantage einmal im Monat „geflutet“. Die Pflanzen wachsen jedoch nur sehr langsam, weshalb erst nach etwa 8-10 Jahren die ersten Datteln geerntet werden können. Einmal im Jahr im September ist Erntezeit. Dabei kann ein Dattelbaum bis zu 100 kg Frucht produzieren.

 

Abbildung 14: Bewässerung der Bautista Family Ranch. Quelle: Okun 2018
Abbildung 14: Bewässerung der Bautista Family Ranch. Quelle: Okun 2018.

 

Die Bewässerung erfolgt über diese Rohre, die das Wasser über Kanäle aus dem Untergrund transportieren. Damit wird die Dattelplantage geflutet um den Pflanzen ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. An den seitlichen Enden befinden sich kleine Wasserschächte in die das Wasser ablaufen kann um es wieder nutzen zu können. Dies stellt einen relativ nachhaltigen Umgang mit Wasser dar und auch wenn aufgrund hoher Verdunstungsraten viel Wasser bei der Überflutung verloren geht, wird dennoch versucht sparsam mit der Resssource Wasser umzugehen.

 

 

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Quellen:
 

Gebhardt, H, Glaser, R., Radtke U. und P. Reuber (2011): Geographie. Physische und Hu-mangeographie. 2. Auflage. Heidelberg. 

Klohn, W. (1994): Bedeutung, Formen und Strukturen der Bewässerrungslandwirt-schaft in den USA. In: Vechtaer Studien zur Angewandten Geographie und Regional-wissenschaft. Band 12. Vechta, S. 49-74. 

Klohn, W. (2005): California – an Agricultural Empire. In: Vechtaer Studien zur Ange-wandten Geographie und Regionalwissenschaft. Band 26. Vechta, S. 11-42. 

Press, F. und R. Siever (1995): Allgemeine Geologie. Eine Einführung. Heidelberg. 

Stäheli, P. (2013): Kalifornien I. Süden und Osten. Sammlung geologischer Führer. Band 108. Stuttgart. 

Windhorst, H.-W. und W. Klohn (1996): Bewässerungslandwirtschaft in Kalifornien und den Great Plains. In: Erdkunde. Archive for Science Geography. Band 50. Bonn, S. 252-265.