Die Landschaft im Südwesten der USA 2018

Tag 8: Holbrook - Tucson

Verfasst von:

H. Böhnert
G. Günther
 

Tagesüberblick
 

Bei wunderbarem Wetter und trotz anfänglicher Schwierigkeiten (die ursprüngliche Planung hat sich um einen Tag verschoben) war der Tag in der Sonora Wüste schön und vor allem sehr interessant. Am 24.03 auf dem Weg von Holbrook (AZ) nach Tucson (AZ) hat sich die Möglichkeit geboten vom Auto aus schon erste Eindrücke von der Wüstenvegetation zu sammeln. Eine Besonderheit der sich bis nach Mexiko ersteckenden Sonora Wüste sind die Saguaros (Carnegiea gigantea), die berühmten Säulenkakteen, die die Hügel entlang der Interstate 10 geschmückt haben. 

 

Abbildung 1: Blick auf einen Kakteenwald. Quelle: Günther 2018
Abbildung 1: Blick auf einen Kakteenwald. Quelle: Günther 2018

 

Abbildung 2: Verbreitungsgebiet der Saguaros sowie Orgelpfeifen-Kakteen in der Sonora Desert. Quelle: Mirocha, P. (2011)
Abbildung 2: Verbreitungsgebiet der Saguaros sowie Orgelpfeifen-Kakteen
in der Sonora Desert. Quelle: Mirocha 2011.

 

Davor waren die Kakteen nur auf dem Nummernschild von Arizona zu sehen, da die Saguaros ein Wahrzeichen dieses Bundestaates sind.

 

Abbildung 3: Nummernschild eines Exkursionsfahrzeugs. Quelle: Böhnert 2018
Abbildung 3: Nummernschild eines Exkursionsfahrzeugs. Quelle: Böhnert 2018.

 

Der Tag begann wie so häufig um 07:45 Uhr mit einer kurzen Besprechung der Tagesplanung sowie einer kurzen Einführung in die den Tag bestimmenden Themenschwerpunkte. Dazu zählten die Geomorphologie sowie typische Vegetationsformen von Wüstenökosystemen. Auf dem Weg zum ersten Tagesziel, dem Arizona Sonora Desert Museum, das sich westlich von Tucson befindet, wurde bereits der spanisch-mexikanische Einfluss auf das Stadtbild deutlich. Darüber hinaus konnte zum ersten Mal ein Roadrunner-Pärchen beim Überqueren der Straße zum Desert Museum beobachtet werden (leider sind Roadrunner gute Läufer und zu schnell für Fotos).

 

Abbildung 4: Kirchturm in Tucson. Quelle: Böhnert 2018
Abbildung 4: Kirchturm in Tucson. Quelle: Böhnert 2018.

 

 

Arizona-Sonora Desert Museum
 

Die Exkursionsgruppe ist bei kuscheligen 27 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 27,90 % am Museum angekommen. Aufgrund der Verschiebungen in der Tagesplanung mussten wir anfangs um den vergünstigten Eintritt als College Group bangen. Jedoch fiel dies der zuständigen Mitarbeiterin überhaupt nicht auf, sodass alle das Museum ohne Probleme betreten konnten. Aufgrund der Größe und der qualitativ hochwertigen Informationsmöglichkeiten konnten die Exkursionsteilnehmer das Museum auf eigene Faust erkunden. Als kleiner Arbeitsauftrag wurden fünf Fragen in das Handout integriert, die es im Museum zu beantworten galt. 

 

Abbildung 5: Eingang des Arizona Sonora Desert Museums. Quelle:  Grinstead 2016
Abbildung 5: Eingang des Arizona Sonora Desert Museums. Quelle: Grinstead 2016.

 

Aufgrund der vergleichsweise hohen Niederschläge und niedrigen Temperaturen im Frühling in der Sonora Desert war es eine schöne Abwechslung zu den vorherigen Tagen, an denen die Gruppe primär in höheren Lagen unterwegs war und die dort typischen, aus Pinus ponderosasowie Pinus edulisund Juniperus Arten bestehenden Vegetationstypen, bestaunen konnte. Bedingt durch das besondere Relief und der vergleichsweise hohen Feuchtigkeit zählt die Sonora Desert zu den artenreichsten Wüstenregionen der Welt. Deshalb konnten nicht nur Flora, sondern auch Fauna vor oder hinter Gittern bestaunt werden.

 

Abbildung 6: Biome der Sonora Desert Region. Quelle: Arizona-Sonora Desert Museum, 2006.
Abbildung 6: Biome der Sonora Desert Region.
Quelle: Arizona-Sonora Desert Museum 2006.

 

Trotz der intensiven Recherche zu Wüstenökosystemen im Rahmen der Exkursionsvorbereitung, stellte das Museum eine Fülle von Informationen bereit. Der Begriff Museum suggeriert falsche Vorstellungen, da es sich bei dem Arizona Sonora Desert Museum eher um einen riesigen Botanischen Garten mit einer Vielzahl von Themenschwerpunkten, die sich an den verschiedenen Ökosystemtypen orientieren, handelt. So gibt es beispielsweise einen „pollination garden“ in dem viele Bienen-, Schmetterlings-, Motten- und Kolibriarten bewundert werden können. 

 

Abbildung 7: Impressionen aus dem „pollination garden“. Quelle: Böhnert und Günther 2018
Abbildung 7: Impressionen aus dem „pollination garden“. Quelle: Böhnert und Günther 2018.

 

Weiterhin waren der „cactus garden“ und der „agave garden“ von besonderem Interesse, da eine Vielzahl von Kakteen und Agaven glücklicherweise in voller Blüte standen. Die hier vorkommenden Pflanzen waren stets beschildert, es gab eine Vielzahl von Informationstafeln sowie freundliches Personal, das mit Rat und Tat zur Seite stand. Unter anderem konnte an verschiedenen Punkten kurzen, aber sehr informativen Vorträgen zu Saguaros oder Reptilien gelauscht werden. Deshalb war es auch kein Problem für die Exkursionsteilnehmer*innen die Fragen zu beantworten!

 

Abbildung 8: Impressionen aus dem „cactus garden“ und dem „agave garden“. Quelle: Böhnert und Günther 2018Abbildung 8: Impressionen aus dem „cactus garden“ und dem „agave garden“. Quelle: Böhnert und Günther 2018
Arizona-Sonora Desert Museum (2006): URL: https://www.desertmuseum.org/desert/sonora.php (Stand 25.05.2018). Grinstead, K. (2016): Arizona sonora desert museum entrance. URL: http://www.gonewiththegrins.com/wp-content/uploads/2016/01/Arizona-sonora-desert-museum-entrance.jpg (Stand 25.05.2018). Johnson, J. A. (2010): A cotton field outside Phoenix, near Goodyear, AZ. URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CottonField.PhoenixAZ.140320.jpg (Stand 25.05.2018). Mirocha, P. (2011): URL: http://paulmirocha.com/projects/desert-botanical-garden-trail-signs/sd_map/#.WvlHMoiFPIU (Stand 25.05.2018).Abbildung 8: Impressionen aus dem „cactus garden“ und dem „agave garden“. Quelle: Böhnert und Günther 2018
Arizona-Sonora Desert Museum (2006): URL: https://www.desertmuseum.org/desert/sonora.php (Stand 25.05.2018). Grinstead, K. (2016): Arizona sonora desert museum entrance. URL: http://www.gonewiththegrins.com/wp-content/uploads/2016/01/Arizona-sonora-desert-museum-entrance.jpg (Stand 25.05.2018). Johnson, J. A. (2010): A cotton field outside Phoenix, near Goodyear, AZ. URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CottonField.PhoenixAZ.140320.jpg (Stand 25.05.2018). Mirocha, P. (2011): URL: http://paulmirocha.com/projects/desert-botanical-garden-trail-signs/sd_map/#.WvlHMoiFPIU (Stand 25.05.2018).
Abbildung 8: Impressionen aus dem „cactus garden“ und dem „agave garden“. Quelle: Böhnert und Günther 2018.

 

 

Red Hill Visitor Center
 

Der nächste Stop war das Red Hill Visitor Center am Eingang des Saguaro National Park West. Hier wurde zunächst eine Mittagspause eingelegt, um sich im Anschluss in alter Frische dem National Park zu widmen.  Während der Mittagspause konnte die Gruppe bereits einen schönen Ausblick auf den Park mit seinen riesigen, bis zu 18 m hochwachsenden und bis zu 200 Jahre alt werdenden Saguaros genießen.

 

Abbildung 9: Alter Saguaro und Blick vom Red Hill Visitor Center. Quelle: Böhnert und Günther 2018 Abbildung 9: Alter Saguaro und Blick vom Red Hill Visitor Center. Quelle: Böhnert und Günther 2018
Abbildung 9: Alter Saguaro und Blick vom Red Hill Visitor Center. Quelle: Böhnert und Günther 2018.

 

Am Anfang des Nationalparkbesuchs stand wie üblich ein etwa 30-minütiger Besuch im Visitor Center an. Hier konnte sich der geneigte Besucher über die im National Park heimische Flora und Fauna informieren sowie sich gegebenenfalls mit Kaktushonig oder -marmelade eindecken. 

 

Abbildung 10: Nest eines Gilaspechts in einem Saguaro. Quelle: Böhnert 2018
Abbildung 10: Nest eines Gilaspechts in einem Saguaro. Quelle: Böhnert 2018.

 

Im Anschluss hat Prof. Petersen in einem kleinen Vortrag über die Abgrenzung von Ökosystemen und deren Abgrenzung anhand von Indikatoren wie dem Aridity Index der USA berichtet. Dabei kam er zu dem Schluss, dass es in der Natur keine scharfen Grenzen, sondern Übergänge bzw. „transition zones“ gibt. Darüber hinaus führte Herr Duttmann die Exkursionsgruppe über einen Trail zu einer Caliche und erläuterte deren Entstehung und führte den Zuhörern die Problematik von Starkregenereignissen und daraus resultierenden „desert washes“ in ariden und semiariden Regionen vor Augen.

 

Abbildung 11: Caliche. Quelle: Böhnert 2018
Abbildung 11: Caliche. Quelle: Böhnert 2018.

 

Danach sah die Planung vor den Saguaro National Park entlang der Kinney Road und der Hohokam Road zu durchfahren und zu Fuß zu erkunden. Jedoch wurde dieser Plan aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse (unpaved roads) und der Mietwagen wieder schnell verworfen. Zwar waren die Autos auf den Wegen durch Arizona, Nevada und Kalifornien sehr verlässlich, für die holprigen Straßen innerhalb des Parks waren sie jedoch nicht geeignet. Mit entsprechenden Fahrzeugen oder zu Fuß ist der Park jedoch sicherlich eine Reise wert.

 

 

Wissenswertes über die Saguaros
 

An dieser Stelle noch einige Informationen zu den Saguaros, die im Arizona Sonora Desert Museum und im Red Hill Visitor Center in Erfahrung gebracht werden konnten. Sie zählen zu den Schlüsselarten in der Sonora Desert und bestehen bis zu 90 % aus Wasser, das im Speichergewebe eingelagert ist. Darüber hinaus verfügen sie über ein holziges Skelett.  Erst ab einem Alter von ca. 55 Jahren bildet der Kaktus nach Melone duftende Blüten auf der Spitze der Sprossachsen aus, die von Fledermäusen, Vögeln und Bienen bestäubt werden. Da die Saguraos ihre Seitenarme erst ab einem Alter zwischen 60 und 100 Jahren bilden, sind Rückschlüsse auf deren Alter anhand der Anzahl der Arme möglich. In der Sonora Desert gibt es ca. 1,8 Mio. Individuen, die dort endemisch sind, also nur in dieser Wüste bestaunt werden können.

 

Abbildung 12: Der Saguaro in all seinen Lebenslagen. Quelle: Böhnert und Günther 2018Abbildung 12: Der Saguaro in all seinen Lebenslagen. Quelle: Böhnert und Günther 2018Abbildung 12: Der Saguaro in all seinen Lebenslagen. Quelle: Böhnert und Günther 2018Abbildung 12: Der Saguaro in all seinen Lebenslagen. Quelle: Böhnert und Günther 2018
Abbildung 12: Der Saguaro in all seinen Lebenslagen. Quelle: Böhnert und Günther 2018.

 

Da noch ein weiter Weg (etwa 4h) nach Yuma (AZ) anstand, wurde der Tag im Anschluss an diesen Punkt offiziell beendet. Auf dem Weg wurden die Saguaros immer spärlicher und wichen wieder der üblichen Wüstenvegetation. Interessant und erschreckend zugleich war die aus dem Auto zu bestaunenden Auswüchse amerikanischer Landwirtschaft in Trockengebieten. Besonders die gewaltigen „Cattle Feedlots“ waren bedingt durch den Geruch bereits aus einiger Entfernung wahrnehmbar. Eine willkommene Abwechslung dazu stellten die schier endlosen Alfalfa- und Baumwollfelder und deren Bewässerungsanlagen dar. 

 

Abbildung 13: Grünes Baumwollfeld in sonst spärlicher Trockengebietsvegetation in Arizona. Quelle: Johnson 2010
Abbildung 13: Grünes Baumwollfeld in sonst spärlicher Trockengebietsvegetation in Arizona. Quelle: Johnson 2010.

 

 

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Quellen:
 

Arizona-Sonora Desert Museum (2006): URL: https://www.desertmuseum.org/desert/sonora.php (Stand 25.05.2018).

K. Grinstead (2016): Arizona sonora desert museum entrance. URL: http://www.gonewiththegrins.com/wp-content/uploads/2016/01/Arizona-sonora-desert-museum-entrance.jpg (Stand 25.05.2018).

Johnson, J. A. (2010): A cotton field outside Phoenix, near Goodyear, AZ. URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CottonField.PhoenixAZ.140320.jpg (Stand 25.05.2018).

Mirocha, P. (2011): URL: http://paulmirocha.com/projects/desert-botanical-garden-trail-signs/sd_map/#.WvlHMoiFPIU (Stand 25.05.2018).