Die Landschaft im Südwesten der USA 2018

Tag 4: Grand Canyon National Park

Verfasst von:

J. G. Groth 
A.-K. M. Walther
 

Tagesübersicht 
 

Der 4. Tag der Exkursion führte in einen der bekanntesten und atemberaubendsten Nationalparks der USA: den Grand Canyon National Park. Dort erwartete die Gruppe neben einer Wanderung entlang des Rim Trails ein Gespräch mit zwei Experten sowie ein Besuch des Desert View Watchtower. Thematisch lag der Fokus zum einen auf dem Umgang mit Wildtieren, dem US-amerikanischen Naturschutz und zum anderen auf der Vegetation und der Geologie des Grand Canyon. Der erste Schwerpunkt wurde durch die Präsentationen von zwei Mitarbeitern des Nationalparks abgedeckt, während letzteres bei der anschließenden Erkundung des Geländes im Vordergrund stand. 

Um das vielfältige Tagesprogramm erfolgreich durchführen zu können, wurde an diesem Tag bereits um 7.30 Uhr von Flagstaff in Richtung Südeingang des Nationalparks gestartet. Für den Rückweg wurde eine etwas längere Route über Cameron zurück nach Flagstaff gewählt.

 

Abbildung 1: Übersicht über die Route des Tages.  Quelle: Google Maps 2018.
Abbildung 1: Übersicht über die Route des Tages. Quelle: Google Maps 2018.

 

 

Grand Canyon – eine Landschaft weiter als das Auge reicht
 

Der Grand Canyon National Park umfasst eine Größe von mehr als 493.000 ha. Mit einer Fläche fast doppelt so groß wie das Saarland, war die Weite dieser Canyonlandschaft aus europäischer Perspektive kaum greifbar. Auf dem über 2.000 m hohen Colorado Plateau stehend, war es unmöglich, den in der Tiefe fließenden Colorado River zu erblicken. Einen Blick auf das Wasser, welches mit seiner Erosionskraft maßgeblich zur Formung dieser Schichtstufenlandschaft beigetragen hat, konnte die Gruppe bei späteren kurzen Stopps auf dem Weg zum Desert View Watchtower erlangen. 

 

Abbildung 2: Ein Blick vom Rim Trail auf die Canyonlandschaft. Quelle: Groth 2018.
Abbildung 2: Ein Blick vom Rim Trail auf die Canyonlandschaft. Quelle: Groth 2018. 

 

Abbildung 3: Ein Blick auf den Colorado River vom Navajo Point. Quelle: Groth 2018.
Abbildung 3: Ein Blick auf den Colorado River vom Navajo Point. Quelle: Groth 2018.

 

 

Wildlife Management im Grand Canyon National Park
 

Nach einer Fahrtzeit von etwa zwei Stunden erreichte die Gruppe dasGrand CanyonVisitor Center. Von dort ging es sofort zu Fuß weiter, um pünktlich am Sciene and Research Building des Parks zu den vereinbarten Expertengesprächen einzutreffen. Eine Rangerin des Nationalparks gab mit einer ausführlichen Präsentation Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Sie gab der Exkursionsgruppe nicht nur einen Überblick über die im Nationalpark lebenden Wildtiere, unter anderem Fledermäuse, Pumas, Bisons und Eulen, sondern auch über die Methoden zur Detektion und Untersuchung/Obduktion lebender wie toter Tiere. Letztere sind wichtig, da über die räumliche Verbreitung des Wildtierbestands Gefahren erkannt werden können. Das Erkennen dieser Gefahren ist wiederum wichtig, um beispielsweise Maßnahmen zum Schutz vor Krankheiten oder invasiven Arten einzuleiten.  

 

Abbildung 4: Ein Rocky Mountain Elch am Rand des Desert View Drive. Quelle: Groth 2018.
Abbildung 4: Ein Rocky Mountain Elch am Rand des Desert View Drive. Quelle: Groth 2018.

 

 

Naturschutz in den USA
 

In den USA gibt es eine Vielzahl privater wie öffentlicher Behörden und Organisationen, die sich dem Naturschutz widmen. Daher gab ein weiterer Mitarbeiter des Nationalparks der Gruppe einen umfassenden Einblick über die Strukturen dieser Organisationen. Anhand der verschiedenen Leitlinien der Einrichtungen stellte er den hohen Stellenwert, den der Naturschutz in den USA genießt, heraus. So verwundert es nicht, dass insgesamt 30 % der US-amerikanischen Fläche (2,7 Mio. km²) der Regierung gehören. Diese wird von verschiedenen Naturschutzbehörden verwaltet. Die meisten dieser Gebiete liegen im Westen der USA. Eine der öffentlichen Naturschutzbehörden stellt der National Park Servicedar, welcher auch für das Naturschutzgebiet um den Grand Canyon zuständig ist. Sein Ziel ist es, natürliche wie kulturelle Ressourcen zum Freizeitvergnügen, zur Bildung und zur Inspiration für gegenwärtige und zukünftige Generationen zu bewahren.

 

Abbildung 5: Logo des National Park Service.  Quelle: National Park Service o.J..
Abbildung 5: Logo des National Park Service. Quelle: National Park Service o.J..

 

Abbildung 6: Der unter Naturschutz stehende Grand Canyon National Park. Quelle: Groth 2018.
Abbildung 6: Der unter Naturschutz stehende Grand Canyon National Park. Quelle: Groth 2018.

 

 

Geologie
 

Der Grand Canyon Nationalpark bot sich für eine Betrachtung der Geologie im Südwesten der USA hervorragend an, da es kaum einen anderen Ort gibt, an dem durch Erosionsprozesse und Plattentektonik freigelegte Gesteinsschichten aus über 2,5 Mrd. Jahren Erdgeschichte sichtbar sind. So konnte die Exkursionsgruppe bei sonnigen 17,9 °C bis 18,5 °C auf einer Höhe von fast 2.400 Metern über dem Meeresspiegel die farbliche Abfolge verschiedener Schiefer-, Sand- und Kalksteinschichten begutachten. Ebenso machten eine relative Luftfeuchtigkeit von 28,8 % und eine Windgeschwindigkeit von weniger als 15 km/h die fachlichen Diskussionen am Rand des Canyons zu einem angenehmen Erlebnis. Die ältesten Schichten befinden sich in der Tiefe der Canyonlandschaft, während die jüngste (aus dem Perm) an der Oberfläche zu finden ist. Diese Schichtung ist dadurch zu erklären, dass über Millionen Jahre hinweg immer neues Material abgelagert wurde. Die darunterliegenden Schichten sind im Zuge der Hebung des Colorado Plateaus sichtbar geworden. Anschließend haben starke Erosionsprozesse zur Formung der Canyonlandschaft beigetragen. 

 

Abbildung 7: Schiefer-, Sand- und Kalksteinschichten mit ihrer unterschiedlichen Farbe. Quelle: Groth 2018.
Abbildung 7: Schiefer-, Sand- und Kalksteinschichten mit ihrer unterschiedlichen Farbe. Quelle: Groth 2018.

 

Abbildung 8 (links): Informationstafel im Nationalpark.  Quelle: Walther 2018.Abbildung 9 (rechts): Bild eines Hanges am South Rim. Quelle: Walther 2018.
               Abbildung 8: Informationstafel im Nationalpark.                            Abbildung 9: Bild eines Hanges am South Rim. 
          Quelle: Walther 2018.                                                                    Quelle: Walther 2018.

 

 

Rim Trail und Grand Canyon Village
 

Um die beste Sicht auf den Grand Canyon zu bekommen, wurde der Rim Trail für eine kurze Wanderung ausgewählt. Dieser führt auf einer Länge von 21 km vom South Kabaib Trailhead zum Hermits Rest. Obwohl es aufgrund des zeitlich begrenzten Aufenthalts leider nicht möglich war, mehr als nur einen Abschnitt dieses Trails zu wandern, hinterließ der Rim Trail mit seinem grandiosen Ausblick bei allen Studierenden einen bleibenden Eindruck. Um 14 Uhr gab es eine kurze Mittagspause im Grand Canyon Village, die von allen dazu genutzt wurde das mitgebrachte Lunchpaket vor großer Kulisse zu genießen und in aller Ruhe einige Erinnerungsfotos vom Grand Canyon zu machen. Danach wurde die zweite Hälfte der geplanten Route entlang des Rim Trails erkundet. Während der Wanderung wurden immer wieder Pausen gemacht, um über die Geologie sowie Flora und Fauna zu diskutieren.

 

 

Die Vegetation im Grand Canyon
 

Der Grand Canyon National Park zeichnet sich durch eine große Pflanzenvielfalt aus. Dies ist auf die enormen Höhenunterschiede zwischen dem oberen Rand des Canyons und dem Fluss in der Schlucht zurückzuführen, da hier unterschiedliche klimatische Bedingungen vorherrschen. Es können grob fünf Zonen unterschieden werden. Die erste ist die Uferzone in der Nähe des Flussufers. Die zweite ist eine wüstenähnliche Zone, welche nur gering durch Büsche bewachsen ist. Diese Zonen konnte die Gruppe vom Rim Trail aus leider nicht sehen. Anschließend folgt – bereits näher der Rim gelegen – ein Wald aus Wacholdern und Pinyon-Kiefern. Besonders die Wachholderbüsche (vor allem Utah-Wacholder) waren auch an der Rim zu finden.

 

Abbildung 10: Die Vegetation des Grand Canyon National Parks – Im Hintergrund: Hänge mit spärlich werdender Vegetation – Im Vordergrund: die Krone einer Pinyon-kiefer. Quelle: Groth 2018.
Abbildung 10: Die Vegetation des Grand Canyon National Parks – Im Hintergrund: Hänge mit spärlich werdender Vegetation  
Im Vordergrund: die Krone einer Pinyonkiefer. Quelle: Groth 2018.

 

Die vierte Zone an der South Rim wird vor allem durch Ponderosa-Kiefern geprägt. Vielen Exkursionsteilnehmer/innen fiel gleich auf, warum dieser Baum auch Gelbkiefer genannt wird: Die gelbe Farbe der Rinde war nicht zu übersehen. Die Studierenden erfuhren auch noch etwas über die Vegetation der fünften Zone. Diese lässt sich an der höher gelegenen North Rim lokalisieren und beheimatet verschiedene Tannen- und Fichtenarten. Charakteristisch für den ganzen Grand Canyon ist, dass die Vegetation vom Fluss bis zum oberen Rand des Canyons an Größe und Individuenanzahl zunimmt.

 

Abbildung 11: Pinyon-Kiefern und Ponderosa-Kiefern vor dem Panorama des Grand Canyons. Quelle: Walther 2018.
Abbildung 11: Pinyon-Kiefern und Ponderosa-Kiefern vor dem Panorama des Grand Canyons. Quelle: Walther 2018.

 

 

Visitor Center


Nach der Wanderung machte sich die Gruppe auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle, um einen Shuttle zurück zum Visitor Center zu nehmen. Während der Fahrt hatten die Studierenden noch die Möglichkeit, die Infrastruktur des Parks zu bewundern. Entgegen der allgemeinen Erwartung in der Gruppe gab es im Nationalpark viele Gebäude, um die Ranger und Touristen zu beherbergen. Am Visitor Center bekam jeder Zeit, um sich die darin vorhandene Ausstellung anzusehen. Hier konnten die Studierenden noch weitere Informationen zum Park erhalten und sich im Souvenirshop umsehen. 

 

Abbildung 12: Utah-Wacholderbüsche vor dem Panorama des Colorado-Rivers am Navajo-Point. Quelle: Walther 2018.
Abbildung 12: Utah-Wacholderbüsche vor dem Panorama des Colorado-Rivers am Navajo-Point. Quelle: Walther 2018.

 

 

Fahrt zum Desert View Watchtower
 

Am Ende des Tages stand für alle Exkursionsteilnehmer*innen noch ein weiteres Highlight auf dem Programm: der Desert View Watchtower. Auf der Fahrt  zur Aussichtsplattform wurden außerdem mehrere Stopps an kleineren Aussichtspunkten entlang der South Rim eingelegt. Die Spannung stieg von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt, da jeder den zuvor mehrfach angesprochenen Colorado River in der Schlucht sehen wollte. Der Navajo-Point erfüllte neben dem Desert View Watchtower diesen Wunsch der Exkursionsgruppe. Am Ende des Tages hatte der Grand Canyon National Park sowohl mit seinem gigantisch weiten Panorama als auch mit seiner Geologie, Flora und Fauna einen nachhaltig positiven Eindruck bei den Studierenden hinterlassen. Mit einsetzendem Sonnenuntergang ging es über Cameron nach Flagstaff zurück.

 

Abbildung 13 (links): Desert View Watchtower.  Quelle: Walther 2018.                                            Abbildung 14 (rechts): Blick auf den Colorado River vom Desert View Watchtower.  Quelle: Walther 2018.
            Abbildung 13: Desert View Watchtower.                                       Abbildung 14: Blick auf den Colorado River  
                                Quelle: Walther 2018.                                               vom Desert View Watchtower. Quelle: Walther 2018.   

                                         

 

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Quellen:
 

Chronic, H. (2000): Roadside Geology of Arizona. 16. Auflage. Missoula.

Gehring, W., Richter, B., Lemke, S. und R. Schlimm (Hrsg.) (2008): Diercke Weltatlas. Braunschweig. 

Kruse-Etzbach, D. (2007): USA – Südwesten. 8. Auflage. Dormagen. 

National Park Service (Hrsg.) (2015): Exploring Grand Canyon. Grand Canyon.

National Park Service (Hrsg.) (o.J.): About US – Our Mission. URL: <https://www.nps.gov/aboutus/index.htm> (Stand: 08.05.2018).

National Park Service (Hrsg.) (2018): Plants. URL: <https://www.nps.gov/grca/learn/nature/plants.htm> (Stand: 13.05.18).