Die Landschaft im Südwesten der USA 2018

Tag 12: Lone Pine - Beatty

Verfasst von:

A. Millin
J. Muffels

 

Lone Pine


Abbildung 1: Lone Pine Hauptstraße mit Läden (Wolters 2018).
Abbildung 1: Lone Pine Hauptstraße mit Läden. Quelle: Wolters 2018.

 

Den Startpunkt des Exkursionstages bildete der Ort Lone Pine im Owens Valley am östlichen Fuße der Sierra Nevada Mountain Range, genauer am 4.418 m hohen Mount Whitney. Der Ort mit etwa 2.000 Einwohnern ist auf den Tourismus in der Region ausgelegt, wovon diverse Motels, Restaurants und Museen wie das Lone Pine Film History Museum zeugen. 

 

Abbildung 2: Sicht auf die Sierra Nevada (Wolters 2018).
Abbildung 2: Sicht auf die Sierra Nevada. Quelle: Wolters 2018.

 

Von Lone Pine gelangt man über die sogenannte „Movie Road“ zu den Alabama Hills, welche den ersten Punkt auf dem Tagesprogramm darstellte. Der Schwerpunkt hier lag dabei auf den geologischen Prozessen, insbesondere der chemischen Verwitterung, welche die Entstehung der Alabama Hills maßgeblich beeinflusst hat. 

 

 

Alabama Hills


Abbildung 3: Gesteinsformen in den Alabama Hills (Busche 2018).
Abbildung 3: Gesteinsformen in den Alabama Hills. Quelle: Busche 2018.

 

Durch Exfoliationsprozesse vergünstigte Erosion führt am Granit der Alabama Hills zu einem abschuppen der oberen Gesteinsschichten und der Entstehung der typischen Gesteinsformen, die sich in der oberen Abbildung erkennen lassen. Außerdem erkennbar ist der sogenannte Wüstenlack, welcher durch Verdunstungsprozesse auf der Granitoberfläche entsteht und eine Schutzschicht für das darunterliegende Gestein bildet, weswegen das Gestein hauptsächlich durch das Eindringen von Wasser in Spalten und Rissen verwittert.

 

Abbildung 4: Nahaufnahme verwitterter Granit. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 4: Nahaufnahme verwitterter Granit. Quelle: Busche 2018.

 

Das Aufsteigen des Gesteins während der Entstehung der Sierra Nevada Mountain Range und die damit einhergehende Druckentlastung führte in Zusammenarbeit mit klimatisch bedingten chemischen Prozessen zu der zwiebelschalenartigen Verwitterung. Das Erscheinungsbild des Granits in den Alabama Hills hebt sich dadurch deutlich vom Granit der Sierra Nevada Mountain Range ab, obwohl es dasselbe Ausgangsgestein ist. 

 

Abbildung 5: Alabama Hills als Filmkulisse. Quelle: Wolters 2018.
Abbildung 5: Alabama Hills als Filmkulisse. Quelle: Wolters 2018.

 

Aufgrund der Erscheinungsform des Gesteins sowie der nähe zu Los Angeles wurden die Alabama Hills seit jeher oft als Kulisse für amerikanische Kinofilme genutzt. Hiervon zeugt zum einen das Filmmuseum in Lone Pine, in welchem zugehörige Film-Memorabilien ausgestellt sind und zum anderen die bereits genannte Movie Road, welche eigens für die Produktion der Kinofilme und den Transport des schweren Geräts angelegt wurde.

 

Abbildung 6: Moebius Arch in den Alabama Hills. Quelle: Wolters 2018.
Abbildung 6: Moebius Arch in den Alabama Hills. Quelle: Wolters 2018.

 

Die bekannteste Felsformation in den Alabama Hills ist der sogenannte Moebius Arch, welcher aus der bereits beschriebenen Verwitterung hervorgegangen ist. Hierbei entstehen durch „Wüstenlack“ Krusten auf dem Gestein, wohinter Wasser eindringen kann und das innere Gestein verwittert, wodurch Hohlformen im Gestein oder sogenannte Tafoni entstehen. Diese können wiederum weiter verwittern, sodass in Einzelfällen Bögen aus Gestein entstehen, wie der in der oberen Abbildung zu sehende Moebius Arch.

 

 

Manzanar National Historic Site
 

Der zweite Punkt auf der Tagesplanung war die Manzanar National Historic Site auf der sich früher das Manzanar War Relocation Center befand. Dieses war ein Internierungslager für Japaner und japanischstämmige amerikanische Staatsbürger, welche nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 als Sicherheitsrisiko („Enemy Alien“) betrachtet wurden. In dieser Zeit wurden alle betroffenen Personen aus Kalifornien, Oregon, Washington, dem Süden Arizonas und Alaska von der War Relocation Authority in entsprechende Lager interniert. 

Im Manzanar War Relocation Center lebten zur Hochzeit 10.046 Menschen in den oben gezeigten Barackensiedlungen unter ständiger militärischer Bewachung. Am 6. Dezember 1942 kam es zu Ausschreitungen innerhalb des Lagers woraufhin die anwesende Militärpolizei in eine große Menschenansammlung schoss. Hierbei starb 1 Mensch und 11 weitere wurden schwer verletzt. Letztlich wurde das Center am 21. November des Jahres 1945 endgültig aufgelöst und 1988 wurden jedem Opfer der Internierung aufgrund des Civil Liberties Act of 1988 20.000$ Entschädigung gezahlt.

 

 

White Mountains mit Grand View Point 


Abbildung 7: Panoramaaufnahme der östlichen Sierra Nevada mit Owens Valley. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 7: Panoramaaufnahme der östlichen Sierra Nevada mit Owens Valley. Quelle: Busche 2018.

 

Eine der spektakulärsten Aussichten auf die östliche Sierra Nevada bietet sich von der Westseite der White Mountains. Nachdem die offizielle Homepage des White Mountain Ranger Station angab, dass die Straße zur Schulman Grove hinter dem Grand View Point gesperrt sei, bereitete sich die Tagesleitung bereits darauf vor, die Präsentation zur Dendrochronologie am View Point zu halten. Glücklicherweise ist Prof. Duttmann mit dem Guide die Straße weitergefahren, während die Gruppe mit Prof. Hoppe den Blick auf das Owens Valley und die östliche Sierra Nevada genießen konnte. Es stellte sich heraus, dass zwar einige Zentimeter Schnee gefallen waren, allerdings war die weitere Strecke trotzdem passierbar. 

Das Foto wurde von Osten nach Westen aufgenommen und zeigt am oberen Bildrand die Sierra Nevada und in der Mitte das Owens Valley, in welchem die Orte Big Pine, Lone Bine und Bishop liegen. 

 

 

Schulman Grove und Ancient Bristlecones
 

 Abbildung 8: Besonders exponiertes und altes Exemplar der pinus longaeva. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 8: Besonders exponiertes und altes Exemplar der pinus longaeva.
Quelle: Busche 2018.

 

Abbildung 9: Kleine Haken an den Schuppen der Zapfen erlauben die Artenbestimmung der Bristlecone Pine. Quelle: Busche 2018. 
            Abbildung 9: Kleine Haken an den Schuppen der Zapfen erlauben die
             Artenbestimmung der Bristlecone Pine. Quelle: Busche 2018. 

 

Die Schulman Grove ist einer der am meisten vom Tourismus erschlossenen Punkte des Bristlecone Pine Forest und der höchste Punkt der Exkursion. Trotzdem war zur Zeit dieser Exkursion (30.03.) das Visitor Center noch geschlossen. Dieses öffnet in der Regel erst Mitte Mai, was durch die unsichere Wetterlage in diesen Höhen zu erklären ist. Folglich wurden alle Gespräche ohne die Hilfe der Ausstellung geführt. Es wurden die Eigenschaften der langlebigen Kiefer (pinus langaeva) besprochen. Sie haben eine Wuchshöhe von 5-15 m und einen Stammdurchmesser von bis zu 3,5 m. Die Art bildet die Primärsukzession an diesem Standort und ist dominant bei großer Höhe (gemessen wurden hier 3.421m) und kargen Böden. Das breite Wurzelwerk dient der besseren Wasseraufnahme, führt aber auch zu großen Abständen zwischen den einzelnen Exemplaren. Das hohe Alter der Bäume macht ihre Betrachtung besonders interessant, wobei die Exemplare am ältesten sind, die auf dem kärgsten Boden und mit besonderer Exposition stehen. Diese weisen die geringe Wachstumsrate auf und überleben noch länger. Aufgrund des hohen Alters der Bäume wurde daraufhin über das Verfahren der Dendrochronologie gesprochen, welches an diesem Ort entwickelt wurde. 

 

Abbildung 10: Die Studenten erkunden unter der Leitung des Guides den Discovery Trail. Quelle: Muffels 2018.
Abbildung 10: Die Studenten erkunden unter der Leitung des Guides den Discovery Trail. Quelle: Muffels 2018.

 

 

Dendrochronologie 


Abbildung 11: Ein umgestürzter Baum entlang des Discovery Trails. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 11: Ein umgestürzter Baum entlang des Discovery Trails. Quelle: Busche 2018.

 

 Abbildung 12: Darstellung der relativen Datierung anhand von verschiedenen Proben im Visitor Center. Zur Verdeutlichung wurden keine echten Proben ausgelegt, sondern ein vergrößertes Schema. Quelle: Hoppe 2018. 
Abbildung 12: Darstellung der relativen Datierung anhand von verschiedenen Proben im Visitor Center.
Zur Verdeutlichung wurden keine echten Proben ausgelegt, sondern ein vergrößertes Schema. Quelle: Hoppe 2018. 

 

Bei der Dendrochronologie (tree ring dating) handelt es sich um eine Methode zur Rekonstruktion der jüngeren Klimageschichte einer Region. Die Zählung von Jahresringen dient dazu, die klimatischen Ereignisse absolut und relativ zu datieren. Jedes Jahr, beziehungsweise während jeder Wachstumsperiode bildet sich ein neuer Jahresring innerhalb des Holzes eines Baumes. Während warmer und feuchter Jahre bildet sich deutlich mehr Substanz als in vergleichbar kühlen und trockenen Jahren. Der Zuwachs bei besonders alten Exemplaren der pinus longaeva ist so gering, dass die genauen Ringe erst nach Schleifen und Lackieren unter einem Mikroskop zu erkennen sind. Für die Dendrochronologie werden nicht nur lebende Exemplare herangezogen, sondern auch bereits abgestorbene, sodass die relative Datierung weiter in die Vergangenheit reicht. Aufgrund der geringen Verwitterungsrate liefern tote Bäume Ringe mit einem Alter von über 7.000 Jahren. 

 

 

Proxidaten aus Baumringanalysen 
 

Die Baumringanalyse dient nicht nur der Altersbestimmung der Bäume, sondern auch der Schaffung von Proxydaten. Wenn Landschafts- oder Klimazustände der Vorzeit dargestellt werden sollen, für die es auch keine historischen Dokumente gibt, so können Messverfahren über Umwege einen Rückschluss auf vergangene Zustände hinweisen. Dadurch, dass das Verhältnis stabiler C-Isotope abhängig ist vom Feuchteangebot, kann die dendroklimatologische Analyse Rückschlüsse zu Temperatur und Niederschlägen für 9.000 Jahre liefern. Die gewonnen Daten können mit gemessenen Werten verglichen werden und Messreihen in die Vergangenheit verlängern. Durch dieses Vorgehen kann der Palmer Drought Severity Index (PDSI) das Klima Südkaliforniens auch mehrere Jahrhunderte vor Beginn der Wettermessung beschreiben. Während eines Jahres, in dem der PDSI einen positiven Wert zeigt, ist das Verhältnis von Niederschlag zu Temperatur günstiger als in einem Jahr mit negativem Wert. Aus der Abbildung ist zu entnehmen, dass die Voraussetzungen für Pflanzenwachstum durch Niederschläge während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders günstig war und eher die Regel und nicht die Ausnahme bildete. Mit diesem Wissen kann die aktuelle Differenz zwischen Niederschlag und Wasserverbrauch nicht gutgeheißen werden, weil die Region im Durchschnitt einen negativen PDSI aufweist. 

 

 

Etappe nach Beatty
 

Abbildung 13: Playa östlich der White Mountains. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 13: Playa östlich der White Mountains. Quelle: Busche 2018.

 

Auf der letzten Autofahrt des Tages musste eine Playa, also eine Salztonebene, durchquert werden, welche besonders war, weil sie noch teilweise von Wasser bedeckt war. Die Schwemmfächer am Fuß der Berge sind auf diesem Foto gut zu erkennen. Am unteren Bildrand ist das Steinpflaster zu sehen, welches in dem unteren Foto genauer dargestellt wird. Steinpflaster (desert pavement) bilden die Oberflächenformen in einigen Wüstenregionen und ist dabei nur 1-2 Partikel mächtig. Die Partikel messen zwischen 3-10 cm und sind meist von einer Schicht Wüstenlack (desert varnish) überzogen. Kleinere Partikel werden äolisch abtransportiert. Unter der relativ geringen Schicht aus grobkörnigem Material findet man feinkörniges Sediment äolischen Ursprungs. 

 


Abbildung 14: Desert Pavement mit Varnish. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 14: Desert Pavement mit Varnish. Quelle: Busche 2018.

 

 

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