Die Landschaft im Südwesten der USA 2018

Tag 1: Las Vegas – Kingman

Verfasst von:

F. Busche
C. Thomas
 

Tagesroute
 

Abbildung 1: Übersicht des Routenverlaufs. Quelle: Google Maps 2018, verändert.
Abbildung 1: Übersicht des Routenverlaufs. Quelle: Google Maps 2018, verändert.

 

Abbildung 2: Blick auf den Eingangsbereich des Circus Circus Hotel & Resorts. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 2: Blick auf den Eingangsbereich des Circus Circus Hotel & Resorts. Quelle: Busche 2018. 

 

Nach einer kurzen Nacht, in dem im 60er-Jahre Charme gehaltenen Circus Circus Casinohotel, startet der erste Tag der 14-tätigen Exkursion in Las Vegas. Die heutige Route führt von Las Vegas nach Kingman mit Zwischenstopps in Henderson, der Lake Mead National Recreation Area und dem Hoover Dam. 

 

 

Las Vegas Valley
 

Der Ausgangspunkt des ersten Exkursionstages befindet sich in der Metropolregion Las Vegas im Las Vegas Valley. Klimatisch ist das Gebiet durch ein subtropisches heißes Wüstenklima (BWh nach Köppen 1961) geprägt, welches im südlichen Nevada in Teilen der Mojave Wüste liegt. Zum Exkursionszeitpunkt, im Monat März des Jahres 2018, werden durchschnittliche Tagestemperaturen in Höhe von 16 - 17 °C und Niederschlagsmengen von bis zu 11 mm erreicht (siehe Abbildung 3). Die von den Exkursionsteilnehmern H. Böhnert und G. Günther durchgeführten Temperaturmessungen zeigen am Exkursionstag einen Tagesverlauf von 17 °C (morgens), 20 °C (mittags) und 12 °C (abends).      

 

Abbildung 3: Klimadiagramm von Kingman, AZ und Las Vegas, NV. Quelle: Eigene Darstellung nach Western Regional Climate Center 2010.
Abbildung 3: Klimadiagramm von Kingman, AZ und Las Vegas, NV.
Quelle: Eigene Darstellung nach Western Regional Climate Center 2010. 

 

Das Las Vegas Valley wird durch mehrere Gebirgsketten begrenzt. Im Westen befinden sich die Spring Mountains und der Red Rock Canyon, im Osten der Frenchman Mountain, im Süden die McCullough Range und im Norden die Sheep und Las Vegas Range. Bei dem Valley handelt es sich um ein 1.600 km² großes Sedimentbecken, welches alluviale Ablagerungen durch Verwitterungsprozesse in den umliegenden Gebirgen beinhaltet. Das Valley befindet sich in der sogenannte Basin and Range Province, eine durch Becken und Höhenzüge geprägte Region im Süd-Westen der USA. Die in diesem Gebiet vorherrschende Topografie parallel verlaufender Horste und Gräben ist prägend für die gesamte Exkursionsroute und wird daher thematisch einen entscheidenden Aspekt einnehmen. Entstanden ist diese Formation vor 35 Millionen Jahren durch eine Krustendehnung, als die Farallon Platte fast vollständig unter die Nordamerikanischen Platte subduziert wurde und somit die komprimierenden Kräfte nachließen. Dadurch hoben sich Höhenzüge und senkten sich Gräben entlang der Nord-Süd verlaufenden Störungslinie.

 

Abbildung 4: Horst- und Grabenstruktur der Basin and Range Province. Quelle: Verändert nach USGS 2011.
Abbildung 4: Horst- und Grabenstruktur der Basin and Range Province. Quelle: Verändert nach USGS 2011. 

 

 

Henderson

 
„Henderson – a Place to Call Home“

Das in der Metropolregion gelegene Henderson liegt 15 Minuten Fahrtzeit von Las Vegas entfernt und ist nach Las Vegas die zweitgrößte Stadt Nevadas. Henderson wurde durch verschiedene Wirtschaftsmagazine als eine der sichersten und lebenswertesten Städte Nordamerikas ausgezeichnet und wird deshalb von der Stadtverwaltung mit dem Slogan „Henderson – a place to call home“ beworben. Henderson gehört zu einer der am stärksten wachsenden Städte im Nordwesten der USA mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 4,7 %. Nach einer Erhebung des U.S. Census Bureaus leben dort aktuell über 285.000 Menschen. Die Exkursionsgruppe beobachtet während ihres Besuches eine extensive Flächenversiegelung und eine uniforme Struktur der Wohnsiedlungen. Sämtliche Rasenflächen der dominierenden Einfamilienhäuser wurden in wasserdurchlässige Kiesflächen umgewandelt. Aufgrund des prognostizierten Bevölkerungswachstums wurde ein „Smart-Development-Concept“ (Henderson Strong) für die Stadtentwicklung der nächsten 20 Jahre konzipiert. Dieses beinhaltet beispielsweise Mischnutzungskonzepte von Gebäuden, die Schaffung von zahlreichen Erholungsmöglichkeiten, smarte und integrative Mobilitätslösungen sowie die Gewährleistung von ökonomischem Wachstum.

 

Abbildung 5: Luftaufnahme von Henderson mit Blick auf die homogenen Siedlungsstrukturen. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 5: Luftaufnahme von Henderson mit Blick auf die homogenen Siedlungsstrukturen. Quelle: Busche 2018. 

 

 

Lake Mead National Recreation Area


Abbildung 6: Die Lake Mead National Recreation Area. Quelle: Busche 2016.
Abbildung 6: Die Lake Mead National Recreation Area. Quelle: Busche 2016.

 

Auf dem Weg von Henderson zum Lake Mead Visitor Center nutzt die Exkursionsgruppe die Möglichkeit den nordwestlichen Teil der Lake Mead National Recreation Area (LMNRA) zu erkunden. Das gesamte Gebiet umfasst eine Fläche von mehr als 6.000 km² und beinhaltet zwei der wichtigsten Stauseen der Vereinigten Staaten, den Lake Mead und den Lake Mohave. Die LMNRA wird vom U.S. National Park Service (NPS) verwaltet und vielseitig genutzt. Neben der Habitatfunktion für einheimische Flora und Fauna, wie der typischen Kreosotbusch-Gesellschaft oder der Saugkarpfenart Xyrauchen texanus, bietet das Gebiet vor allem Naherholungsmöglichkeiten für mehr als 8 Millionen Touristen jährlich. Ziel des NPS ist es ein Gleichgewicht aus Naherholung und Naturschutz zu gewährleisten. Während des Exkursionstages liegt der Fokus schwerpunktmäßig auf den Themen Trinkwasserversorgung, Energiegewinnung und Bewässerungslandwirtschaft. 

 

Abbildung 7: Landschaft in der unmittelbaren Umgebung des Lake Meads, mit der dominierenden Kreosotbusch-Gesellschaft. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 7: Landschaft in der unmittelbaren Umgebung des Lake Meads, mit der dominierenden Kreosotbusch-Gesellschaft.
Quelle: Busche 2018.

 

Abbildung 8: Nahaufnahme einer Kreosotbusch-Pflanze (Larrea tridentata) mit geschlossener Blüte. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 8: Nahaufnahme einer Kreosotbusch-Pflanze (Larrea tridentata) mit geschlossener Blüte. Quelle: Busche 2018.

 

Im Alan Bible Recreation Center begrüßt die Exkursionsgruppe ein Parkranger des Visitor Centers, der in einem Vortrag über die verschiedenen Managementmaßnahmen in der LMNRA informiert. Neben der extensiven Wassernutzung des Lake Meads wurde von der Problematik der Quagga-Dreikantmuschel (Dreissena rostriformis bugensis) berichtet. Es handelt sich hierbei um eine invasive Süsswassermuschelart aus den Zuflüssen des Schwarzen Meers, die in den 1990er-Jahren nach Nordamerika eingeschleppt und 2007 das erste Mal im Lake Mead entdeckt wurde. Die Problematik dieser Muschel besteht darin, dass sie sich durch ihre starken Byssusfäden an Oberflächen wie Wasserrohren und Booten (einschließlich Schiffsschrauben) anheftet. Auf das Ökosystem hat sie jedoch keine signifikanten Auswirkungen. Bisher gibt es noch keine adäquaten Maßnahmen zur Bekämpfung der Muschel, ohne andere Arten zu gefährden. Aus diesem Grund wird mithilfe von Öffentlichkeitsarbeit unter der Prämisse „Clean, drain and dry the boats“ versucht die weitere Einschleppung und Ausbreitung zu reduzieren.

 

Abbildung 9: Schiffsschraube mit angehefteten Quagga-Dreikantmuscheln (Dreissena rostriformis bugensis). Quelle: Busche 2018.
Abbildung 9: Schiffsschraube mit angehefteten Quagga-Dreikantmuscheln (Dreissena rostriformis bugensis). 
Quelle: Busche 2018. 

 

 

Hoover Dam
 

Nur wenige Minuten vom Alan Bible Recreation Center und 48 km vom Exkursionsstartpunkt Las Vegas entfernt befindet sich, inmitten des Black Canyons, der 221 m hohe Hoover Dam. Er wurde in der Zeit von 1931-1935 erbaut und staut den aus den Rocky Mountains kommenden Colorado River auf seinem Weg in den Golf von Kalifornien. Der dadurch entstehende Stausee ist der Lake Mead. Der damalige US-Präsident Herbert C. Hoover hat mit diesem Bauprojekt zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise mehrere Tausend Arbeitsplätze geschaffen. Zu Hochzeiten wurden bis zu 16.000 Arbeiter*innen angestellt. Während des Baus sind nach offiziellen Angaben 96 Arbeiter*innen ums Leben gekommen, die Dunkelziffer liegt jedoch weit höher (ca. 5.000). Der Staudamm befindet sich sowohl in dem Bundesstaat Nevada als auch in Arizona und wird durch deren Bundesstaatengrenze geteilt. Insgesamt besteht die Staumauer aus 2,6 Millionen m³ Beton, einer Masse mit dem man eine Straße von New York nach Los Angeles hätte bauen können.

 

Abbildung 10: Flusslauf des Colorado Rivers unterhalb des Hoover Dams mit Blick auf die Mike O’Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 10: Flusslauf des Colorado Rivers unterhalb des Hoover Dams mit Blick auf die
Mike O’Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge. Quelle: Busche 2018. 

 

Der Staudamm erzeugt jedes Jahr ca. 4 Milliarden kWh Strom. Etwa 50 % der erzeugten Energie werden in das Stromnetz Südkaliforniens eingespeist um den dort vorherrschen Energiebedarf zu decken. Zur Erzeugung des Stroms wird das Wasser des Lake Meads durch die vier Wasserzulauftürme in Rohre gepumpt, wodurch die Fließgeschwindigkeit erhöht wird und ein Antrieb der 17 Turbinen möglich ist. Neben der Stromgewinnung dient die Talsperre im Wesentlichen dem Hochwasserschutz und der Trinkwasserversorgung. Durch das Aufstauen des Colorado Rivers wird der natürliche Charakter des Flusses verändert, woraus zahlreiche ökologische Auswirkungen resultieren. Oberhalb des Dammes führt der Colorado River warmes sedimentreiches Wasser, unterhalb ist das Wasser kühler und sedimentärmer. Dadurch werden heimische Fischarten aus dem Unterlauf verdrängt. Darüber hinaus führt die Aufstauung zu einer Homogenisierung des Abflussregimes. Dies hat Habitatveränderungen entlang des Flusses zur Folge. 

 

Abbildung 11: Hoover Dam mit den vier Wasserzulauftürmen. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 11: Hoover Dam mit den vier Wasserzulauftürmen. Quelle: Busche 2018. 

 

 

Wasserproblematik


Seit Anfang der 2000er-Jahre befindet sich das Gebiet um den Lake Mead in einer anhaltenden Dürre. Der Abfluss des Colorado Rivers hängt zu 85-90 % von den Schneeschmelzen in den Rocky Mountains ab. Diese stagnieren, da der Niederschlag seit mehreren Jahren unterhalb der Durchschnittsmengen liegt. Zusätzlich sorgt der anhaltende Trend wärmerer Temperaturen in Verbindung mit den niedrigeren Niederschlagsmengen für sinkende Pegelstände in den Reservoiren entlang des Colorado Rivers. Durch die offene Bauweise der Staudämme werden an heißen und sonnigen Tagen hohe Mengen an Wasser evaporiert. Beispielsweise evaporiert täglich die gesamte Menge des Wasserverbrauchs von Las Vegas aus dem Lake Mead Wasserreservoir. Zusätzlich zu den natürlichen Faktoren (sinkender Niederschlag, höhere Temperaturen) werden die Pegelstände durch anthropogenen Einfluss, wie durch die Entnahme von Wasser für die Trinkwasserversorgung sowie die Bewässerung von ca. 810.000 ha Ackerland entlang des Colorado Rivers stark beeinträchtigt. 

 

Abbildung 12: Helle Markierungen am Black Canyon zeigen die historischen Wasserstände des Lake Meads. Quelle: Busche 2018.
Abbildung 12: Helle Markierungen am Black Canyon zeigen die historischen Wasserstände des Lake Meads.
Quelle: Busche 2018. 

 

All diese Faktoren haben im Jahr 2010 und 2015 dazu geführt, dass der Pegel des Lake Meads die Grenze des „Dürre Triggers“ beinahe unterschritten hat. Kommt es zu einer Unterschreitung, treten Notfall- und Rationierungsmaßnahmen für Nevada und Arizona in Kraft. Wie stark die Pegelstände des Lake Meads in der Vergangenheit zurückgegangen sind, wird in der Abbildung 12 deutlich. Es zeigt sich ein deutlicher Kontrast auf dem dunklen vulkanischen Gestein, der die historischen Pegelstände markiert. Dieses Phänomen ist auch unter dem Namen „Bathtub ring“-Effekt bekannt. Die hellere Färbung des Gesteins entsteht durch die Ablagerung von kalkhaltigen Mineralien, die während Zeiten höherer Wasserstände abgelagert wurden. Nachdem die Exkursionsgruppe das Panorama auf die LMNRA und den Hoover Damm von der Mike O’Callaghan – Pat Tillman Memorial Bridge aus genießen konnte, geht die Fahrt weiter nach Kingman, wo der erste Exkursionstag endet. 

 

 

Nächster Tag

 

 

Quellen:


Acevedo, W., L. Gaydos, J. Tilley, C. Mladinich, J. Buchanan, S. Blauer, K. Kruger und J. Schubert (2016): Urban Land Use Change in the Las Vegas Valley. URL: https://geochange.er.usgs.gov/sw/changes/anthropogenic/population/las_vegas/ (Stand: 12.06.2018)

Bureau of Reclamation (2006): Reclamation. Managing Water in the West. Hoover Dam. US Department of the Interior. URL: http://www.riversimulator.org/Resources/USBR/HooverDamUSBR2006.pdf (Stand: 12.06.2018)

City of Henderson (2017): Henderson Comprehensive Plan. Executive Summary. 

Gabler, R.E., J.F. Petersen, L.M. Trapasso und D. Sack (2009): Physical Geography. 9. Auflage.

Massachusetts Institute of Technology (2012): Colorado River. URL: http://web.mit.edu/12.000/www/m2012/finalwebsite/problem/coloradoriver.shtml (Stand: 12.06.2018)

U.S. Department of the Interior und U.S. Geological Survey (USGS) (2012): A Synthesis of Aquatic Science for Management of Lakes Mead and Mohave. Circular 1381.