Die Landschaften im Nordwesten der USA und ihre Nutzungen 2017

Tag 6: Grand Coulee - Pullman

Verfasst von:
F. Behrens
J. Teege
 
 

Tagesübersicht

 
Der 6. Tag der Exkursion beschäftigte sich hauptsächlich mit den landwirtschaftlich geprägten Flächen des Columbia-Plateaus, genauer um die Bereiche der Channeled Scablands und der Palouse Region, sowie um ihrer Entstehungsgeschichte. Die Route verlief in südlicher Richtung auf dem Columbia-Plateau, auf dem zum einen Trockenlandbau betrieben wird und zum anderen intensiv, mittels Pivot-Bewässerungsanlagen, versucht wird der im Sommer geringen Niederschlagsrate entgegenzuwirken. Auf der Fahrt zum Palouse Falls State Park konnte darüber hinaus die von den Missoula-Fluten geformte Landschaften, die sogenannten Channeled Scablands, begutachtet werden. Die Palouse Falls, welche ähnlich wie die Dry-Falls im Verlauf der Missoula-Fluten entstanden, bildeten darüber hinaus die Grenze zu Palouse Region, die auf Grund besonders fruchtbaren Lössböden als "Weizenkammer des Nordwesten" bezeichnet wird. Auf der Fahrt zum und auf dem Steptoe Butte selbst, der höchsten Erhebung der Palouse-Region, konnten die charakteristischen Schluff-Dünen mit ihrer fast ausnahmslosen Winterweizenbewirtschaftung überblickt werden.

 

 

 
Abbildung 1: Stationen des 6. Exkursionstages von Grand Coulee nach Pullman. Quelle: Google Earth 2016
Abbildung 1: Stationen des 6. Exkursionstages von Grand Coulee nach Pullman. Quelle: Google Earth 2016

 

 

 

Trockenlandbau auf dem Columbia Plateau
 

Die erste Etappe des 6. Exkursionstages verlief von Grand Coulee in Richtung Ritzville. Bei der Fahrt auf dem Columbia-Plateau fiel insbesondere die charakteristische Bewirtschaftung des Trockenfeldbaus auf. Winterweizenfelder, zumeist schon abgeerntet, wechselten sich mit offenliegenden Lössböden ab. Diese Erscheinungsform ist dem extrem niedrigen Niederschlag in dieser Region geschuldet, sodass Weizenfelder nur alle zwei Jahre bewirtschaftet werden. In der Zeit dazwischen liegt das Feld brach, ohne Mulch oder sonstiger Bedeckung, damit sich der Boden wieder mit Wasser anreichern kann. Auf der Fahrt durch die enormen Landwirtschaftsflächen konnten mehrere Staubwirbel, sogenannte "Dust devils", beobachtet werden. Diese sind ein Zeichen der enormen Anfälligkeit gegenüber Winderosion. Schutzmaßnahmen, wie Knicks oder Zwischenfrüchte sind nicht existent. Darüber hinaus konnte an Stellen mit ausgeprägtem Relief auch Folgen von Wassererosion ausgemacht werden.
 

 

 

 

Abbildung 2:
Abbildung 2: "Dust-Devil" über brachliegendem Acker an der Grenze zwischen Palouse und Channeled Scablands. Quelle: Teege 2016

 

 

Bewässerung mittels Pivot-Anlagen
 

Alternativ zum Trockenlandbau werden auf dem Columbia-Plateau Pivot-Bewässerungsanlagen eingesetzt. Diese besitzen einen Ankerpunkt um die sich die einzelnen Trägerelemente mit Sprühdrüsen drehen, sodass eine kreisförmige Fläche bewässert wird. Die Länge der einzelnen Elemente variiert, liegt im Mittel jedoch bei 50 bis 60 Metern. Insgesamt beträgt der typische Beregnungsradius zwischen 400 und 500 Meter. Auf dem Columbia-Palteau zwischen Grand Coulee und Ritzville wird das Wasser hauptsächlich aus dem nahen Grand Coulee Stausee oder dem Columbia River entnommen. Durch die Bewässerungssysteme gelingt es den Landwirten neben Getreide weitere Feldfrüchte wie Kartoffeln, Alfalfa oder andere Hülsenfrüchte anzubauen.


 

 

 Abbildung 3: Pivot-Bewässerungsanlage. Quelle: Wiedenhöfer 2016
Abbildung 3: Pivot-Bewässerungsanlage. Quelle: Wiedenhöfer 2016

 

 

 

Channeled Scablands
 

Auf der Fahrt in Richtung Ritzville und weiter in Richtung Palouse Falls wechselten sich immer wieder landwirtschaftlich genutzte Flächen mit schroffen Basaltfelsen, kargen Flächen, Potholes und sogenannten Coulees ab. Diese sind das Relikt der Missoula-Fluten, immer wiederkehrenden Flutereignissen, die vor 15.000 bis 12.000 Jahren in Folge von Eisdammbrüchen am Lake Missoula stattfanden. Die enormen Wassermassen, deren Relikte schon am Tag zuvor besichtigt werden konnten (Grand Coulee - Dry Falls), erodierten in drei verschiedenen Fließrichtungen die obere Lössschicht und schnitten sich in den darunterliegenden Basalt des Columbia-Plateaus. Der Grand Coulee, an dem der 6. Exkursionstag startete ist das Resultat einer dieser drei Hauptabflussströme. Die anderen beiden, namentlich der Telford Crab Creek und Cheney-Palouse, wurden auf der Fahrt zwischen dem Coulee Dam und dem Palouse Falls State Park durchquert.

 

 


Abbildung 4: Blick entlang eines durch die Missoula-Fluten geformten Coulees des Cheney-Palouse Hauptabflussses. Quelle: Teege 2016
Abbildung 4: Blick entlang eines durch die Missoula-Fluten geformten Coulees des Cheney-Palouse Hauptabflussses. Quelle: Teege 2016

 

 

Palouse Falls


Der Palouse River fließt durch die namensgebende Region Palouse der Bundesstaaten Idaho und Washington und mündet in den Snake-River. Er fließt in einem bis zu 300m tiefen Canyon, der ebenfalls ein Relikt der Missoula-Fluten ist. Vor den Fluten mündet der Palouse-River direkt in den Columbia-River, wurde durch den neuentstandenen Canyon jedoch umgeleitet. Die Pallouse Falls liegen im dazugehörigen Palouse Falls State Park, ca. 6km flussaufwärts der Mündung des Palouse River in den Snake River. Er ist der einzige von den Missoula-Fluten geformte Wasserfall, der auch heute noch wasserführend ist. Auf Höhe der Palouse Falls ist der Canyon 115 m tief. Von der Aussichtsplattform im Palouse Falls State Park lassen sich gut die verschiedenen Basaltschichten des Columbia-Plateau erkennen, die durch die Missoula-Fluten freigelegt wurden. Der Hauptwasserfall hat eine Fallhöhe von ca. 60m, je nachdem wie viel Wasser der Palouse River führt.

 

 
 
 
Abbildung 5: Palouse Falls. Quelle: Hinrichs 2016
Abbildung 5: Palouse Falls. Quelle: Hinrichs 2016


 

Palouse Region


Nachdem im Palouse Falls State Park mit dem Thema Channeled Scablands abgeschlossen wurde, wurde die Fahrt in das Gebiet der Palouse fortgesetzt. Die Herkunft des Namens Palouse ist nicht eindeutig geklärt. Er wird aber in Verbindung mit frankokanadischen Siedlern und dem dort ansässigen indigenen Volk in Verbindung gebracht. Die Palouse Prärie mit ihren charakteristischen "Rolling-Hills" ist eine Region im Südosten des Bundesstaates Washington, der bis über die Bundesstaatengrenze hinaus nach Idaho reicht. Eine genaue Gebietsabgrenzung existiert nicht, traditioneller Weise werden jedoch nur die Gebiete nördlich des Snake River zur Palouse Region gezählt. Als "Rolling Hills" wird die charakteristische Dünenform der hochproduktiven Lössböden bezeichnet, die einen auffälligen Gegensatz zu den Trockenlandbauflächen der zuvor durchfahrenden Channeled Scablands bildet.
 

 

 

Abbildung 6: Die als
Abbildung 6: Die als "Rolling Hills" bekannten Schluffdünen der Palouse Region. Quelle: Schnaedelbach 2016

 

 

Palouse - Landschaftsgenese


Die Landschaftsgenesen der Palouse Region und der Channeled Scablands sind eng verknüpft und verliefen lange Zeit unter den gleichen Bedingungen. Erst die Missoula-Fluten änderte die weitere Entwicklung der Regionen. Das Ursprungsmaterial der Lössböden der Palouse-Ebene ist umstritten. Es wird jedoch angenommen, dass es sich dabei um Material handelt, welches während verschiedenen Eiszeiten von den nördlichen Eisschilden mittransportiert wurde und sich im Zuge von Flutereignissen südwestlich der Palouseregion an der Ringold Formation, nahe Pasco, ablagerte. Durch vorherrschende Südwestwinde, kam es zum äolischen Transport des stets neu angehäuften Materials. Dabei spielt die Suspension von Ton- und Schluffpartikeln durch saltarierende Sandkörner eine entscheidende Rolle. Sanddünen im Bereich der Flussmüdung des Snake-River in den Columbia-River stärken diese Theorie, ebenso wie die typische Form der Schluff-Dünen in der Palouse Region.

 

 
 

Palouse - Böden
 

Die Lössböden der Palouse Region können eine Mächtigkeit von bis zu 75m erreichen. Sie setzten sich aus verschiedenen von Bodenbildung beeinflussten Schichten zusammen, sodass davon ausgegangen werden kann, dass sich die äolischen Transportprozesse der Schluff- und Tonpartikel regelmäßig im Zuge von eiszeitlichen Sedimentanreicherungen wiederholt haben. Bisher konnten 19 solcher Schichten nachgewiesen werden. Paläoböden gelten dabei als Hinweis auf eine Zeit mit relativ stabilen Umwelteinflüssen, sodass Bodenbildungsprozesse ohne Störungen weiter voranschreiten konnten. Ältere Lössschichten deuten hingegen auf eine Zeitspanne mit hoher äolischer Sedimentation und somit höherer Störungsrate hin, sodass keine weiteren bodenbildenen Prozesse stattfinden konnten. Darüber hinaus lassen sich in den Böden der Palouse Region Spuren vulkanischen Ursprungs finden, sodass hierüber eine zeitliche Einordnung der Böden möglich ist.

 

 

Palouse - Landwirtschaft
 

Die Palouse ist eine der produktivsten Weizenanbaugebiete weltweit. Insgesamt umfasst dieses Gebiet 1,3 Millionen Hektar Ackerland. Im Westen der Palouse Region, an der Grenze zu den Channeled Scablands, dominieren mittlere Jahresniederschlägen von unter 300 mm. Dort ist Winderosion das hauptsächliche Problem. Im Osten der Region ist der jährliche Niederschlag im Durchschnitt höher (>450 mm). In diesen Gebieten wird die Fruchtfolge Winterweizen - Sommergerste - Trockenerbsen angewendet. Seit dem Beginn der landwirtschaftlichen Nutzung, ist dort jedoch die Bodenerosion durch Wasser problematisch. Die mittleren, jährlichen Erosionsraten in Zonen mit höherem Niederschlag liegen im Bereich zwischen 22 und 67 Tonnen pro Hektar (3 mm Mutterboden). Bei diesen Raten werden 25 t Ackerboden pro geerntete Tonne Weizen erodiert. Detaillierte Erhebungen des USDA Soil Conservation Service in den 1970er Jahren in Whitman County zeigte, dass bei 10% der Landfläche der ganze Oberboden bereits erodiert ist. Von 60% der Ackerfläche sind bereits 25% bis 75% erodiert.

 

 
 
Abbildung 7: Weizenernte in der Palouse Region. Quelle: Trampe 2016
Abbildung 7: Weizenernte in der Palouse Region. Quelle: Trampe 2016

 

 

 

Steptoe Butte
 

Die letzte Station des Tages war Steptoe Butte, nördlich von Pullman, der sich ca. 300m über die umliegende Palouse Region erhebt und damit der höchste Berg der Region ist. Er ist ein Ausläufer des Idaho-Batholith, einem unter der Erdoberfläche langsam auskristallisierten, magmatischen Intrusivkörper aus ca. 400 Mio. Jahre altem Quarzit. Die darüber liegenden Gesteinsschichten wurden mit der Zeit abgetragen, so dass der schwer erodierbare Quarzitkörper freigelegt wurde. Es ist eine der wenigen Stellen, an denen das Grundgestein nicht vom Columbia-Plateau-Basalt überlagert wurde. Steptoe Butte gilt als Archetyp und ist Namensgeber dieser geologischen Besonderheit (steptoe = Erhebung aus Grundgestein, umgeben von vulkanischem Gestein). Vom Gipfel des Steptoe Butte (1101 m über NN) konnten weite Teile der Palouse Region überblickt und die landwirtschaftliche Bedeutung und Ausmafle der Region verinnerlicht werden.
 

 

 

Abbildung 8: Steptoe Butte. Quelle: Schnaedelbach 2016
Abbildung 8: Steptoe Butte. Quelle: Schnaedelbach 2016

 

 

 

Abbildung 9: Blick vom Steptoe Butte auf die Palouse Region. Quelle: Trampe 2016
Abbildung 9: Blick vom Steptoe Butte auf die Palouse Region. Quelle: Trampe 2016

 

 

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