Die Landschaften im Nordwesten der USA und ihre Nutzungen 2017

Tag 2: La Push - Eatonville

Verfasst von:

G. Gregersen
L. Wiedmann

 

Abbildung 1: Übersichtskarte der Strecke. Quelle: Google Maps 2016
Abbildung 1: Übersichtskarte der Strecke. Quelle: Google Maps 2016

 

 

Abbildung 2: Begrüßung in der Sprache der Quileute. Quelle: Quileute Nation 2016
Abbildung 2: Begrüßung in der Sprache der Quileute. Quelle: Quileute Nation 2016

 

 

„Guten Morgen und wie geht es euch?“. So startete der zweite Tag unserer Exkursion zum Einstimmen auf die Küstenindianer, die unter anderem zum Thema des ersten Halts gehörten. Dafür ging es von Port Angeles (A) auf dem Highway 101 Richtung Westen an die Pazifikküste. Dabei führte uns der Weg am Lake Crescent (Abb. 3) vorbei, der am frühen Morgen einen wunderschönen Anblick bot.

 

 

Abbildung 3: Lake Crescent am Morgen. Foto: Wiedmann 2016
Abbildung 3: Lake Crescent am Morgen. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

La Push – Küstenindianer


Nach einer Strecke von etwa 70 Meilen erreichten wir das Fischerdorf La Push (B) im Stammesgebiet der Quileute. La Push kommt aus dem Französischen und bedeutet „Mund“, was im Zusammenhang mit dem Dorf als „Mündung“ zu verstehen ist, denn es liegt an der Flussmündung des Quileute River. Nach ihrer Schöpfungsgeschichte wurden die Vorfahren der Quileute von „Transformern“ von Wölfen in Menschen verwandelt. Sie betrieben Handel mit anderen Stämmen, hatten aber keine verwandten Stämme in unmittelbarer Nähe, da ihr einziger verwandter Stamm, die Chimakum, von einer Flut zum heutigen Port Townsend fortgespült wurden (Quileute Nation 2016).

Neben diesen Legenden ist allerdings bewiesen, dass die Quileute schon früh Kanus unter anderem aus der Western Redcedar bauten. Diese konnten entweder klein und wendig sein oder aber bis hin zu 58  Fuß lang sein und bis zu drei Tonnen schleppen. Daher war die Fischerei und die Jagd auf Meeressäuger, wie Wale und Robben, Haupteinnahmequelle. Bis heute ist die Fischerei großer Bestandteil, denn seit 1974 hat der Stamm ein geteiltes Recht am Fischfang mit dem Staat Washington. Das Reservat selbst wurde 1889 ausgewiesen und ist seit 1937 souverän. Der Stamm verwaltet sich selbst. Zuständig dafür ist der „Tribal Council“, der aus fünf Mitgliedern besteht, die jeweils für drei Jahre gewählt werden (Quileute Nation 2016).

Der in La Push liegende „First Beach“ ist geprägt durch viele kleine, felsige Inseln, darunter die Hauptinsel „James Island“ (Abb. 4) und die kleinere „Little James Island“. Die Quileute nennen „James Island“ auch „Akalat“, was so viel heißt wie „Spitze des Felsens“. Neben ihrer historischen Bedeutung, ist sie auch für viele Einwohner Washingtons ein Symbol für die atemberaubende Schönheit der pazifischen Strände (Quileute Nation 2016).
 

 

 

Abbildung 4: James Island, Fist Beach, La Push. Foto Wiedmann 2016
Abbildung 4: James Island, Fist Beach, La Push. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

Abbildung 5: Wurzelgeflecht nahe des Second Beach. Foto: Wiedmann 2016
Abbildung 5: Wurzelgeflecht nahe des Second Beach. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

La Push – Seastacks


Nach einer kurzen Wanderung durch den ersten Teil des Olympic National Parks einem steilen Abstieg entlang, erreichten wir den „Second Beach“. Dort wurden die „Seastacks“ (Abb. 6) besprochen. Diese sind kleine, felsige und alleinstehende Säulen, die wir bereits am „First Beach“ vorfanden, da sie typisch für die Küste Washingtons und Oregons sind. Auffallend ist hier besonders das viele Treibholz, das ebenso die anderen Strände in der Umgebung prägt. Die unterschiedlichen Formationen aller Arten von Holz wurden von den Wellen an den Strand transportiert.

 

 

Abbildung 6: Blick auf Seastacks am Second Beach mit Treibholz. Foto: Wiedmann 2016
Abbildung 6: Blick auf Seastacks am Second Beach mit Treibholz. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

Zur Entstehung solcher „Seastacks“ sind verschiedene Faktoren von Bedeutung. Eine Voraussetzung dafür sind die abwechselnden weichen und harten Gesteinstypen an der Küste. Die Ursache ist die hohe tektonische Aktivität der Juan-de-Fuca-Platte und der Nordamerikanischen Platte in diesem Gebiet. Zusätzlich ist eine starke Bewegung des Wassers vorhanden. Der recht hohe Tidenhub des Meeres trägt einen großen Teil zur Bildung der „Seastacks“ bei. Durch den Aufprall der Wellen entstehen feine Luftdruckänderungen, die das Gestein zermürben. Des Weiteren müssen im Wasser ausreichend Schleifmittel vorhanden sein, sodass die weicheren Materialien erodieren. Außerdem spielt der Salzgehalt eine bedeutende Rolle, da das Salz entlang von Rissen kristallisieren kann, wodurch Volumen gewonnen wird und der Stein zerbricht. Demzufolge bleibt das harte Gestein zurück. Das weichere Gestein wird als Sediment wegtransportiert und akkumuliert in flacheren Gebieten, die uns als Strandbuchten bekannt sind. Abbildung 7 verdeutlicht noch einmal den Prozess der Deposition des Materials (MAKAY und TERICH 1992).

 

 

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee
Abbildung 7: Model der Barrier Entwicklung. Quelle: McKay und Terich 1992.

 

 

La Push – Tide Pools


Das zweite Thema des Küstengebietes waren die „Tide Pools“. Kurz vor dem tiefsten Pegelstand, der um 11:41 Uhr war, machten wir uns auf die Suche nach den kleinen Gezeitenbecken (Abb. 8). Die „Tide Pools“ sind an felsigen, steinigen Küsten zu finden, an deren Boden sich Höhlen und Löcher befinden. In diesen Löchern bleibt das Meerwasser bei Ebbe zurück und bietet so einen extremen Lebensraum für viele Organismen.

 

 

Abbildung 8: Gezeitentümpel am Second Beach. Foto: Wiedmann 2016.
Abbildung 8: Gezeitentümpel am Second Beach. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

Jeder Pool ist individuell, da er von Ort und Klima unterschiedlich beeinflusst wird. Zum einen spielen abiotische Faktoren eine Rolle. Wind beschleunigt die Austrocknung, durch Niederschlag kann es zum Aussüßen und möglichen Süßwasserschichtungen durch geringen Dichteunterschied kommen. Die Sonne fördert ebenfalls die Verdunstung und die Photosynthese Leistung der Organismen. Zum anderen ist die Dichte der lebenden Pflanzen als biotischer Faktor relevant, denn dadurch variieren Sauerstoffgehalt und pH-Werte.

 

 

Abbildung 9: Zonierung der Tide Pools.  Quelle: verändert nach Malnig 2009, S. 9
Abbildung 9: Zonierung der Tide Pools.  Quelle: Verändert nach MALNIG 2009

 

 

Ganz allgemein können die Gezeitenbecken in drei Zonen eingeteilt werden (Abb. 9). Die „Supratidalzone“ ist die Spritzwasserzone. Sie liegt oberhalb des Gezeiteneinflusses, ist jedoch trotzdem stärker vom Meer als vom Land beeinflusst. Hier herrschen die extremsten Bedingungen, weshalb hier hauptsächlich sessile Tiere, wie die Seepocken (Balanidae), die Gemeine Strandschnecke (Littorina littorae), Napfschnecken (Patellidae)und Turbanschnecken (Turbinidae) vorkommen. Darunter liegt die „Intertidalzone“. Sie steht immer unter Gezeiteneinfluss, wodurch sich neben Seepocken am oberen Rand und etwas tiefer gelegen Seeanemonen und Seesterne ansiedeln können (Abb. 10). Am tiefsten gelegen ist die „Subtidalzone“ oder auch Tiefenzone genannt. Die Trockenlegung erfolgt nur bei besonders niedrigen Niedrigwasserpegeln wenige Tage im Jahr. Hier sind neben Seesternen und – anemonen, Seeigel, Meeresgras, Algen und Seetang ansässig. (MALNIG 2009)

 

 

Abbildung 10: Seestern und -anemonen in einem „Tide Pool“. Foto: Wiedmann 2016
Abbildung 10: Seestern und -anemonen in einem „Tide Pool“. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

Hoh Rain Forest


Während der Fahrt auf dem Highway 101 durchfuhren wir ein riesiges Waldgebiet, welches seit über 100 Jahren bewirtschaftet wird. Besonders auffallend waren die zahlreichen und riesigen Kahlflächen, die durch ihre geradlinigen Kanten ins Auge stachen. Diese sind auf der Halbinsel Olympic Peninsula häufig vorzufinden. Obwohl in den Vereinigten Staaten von Amerika viele Schutzgebiete ausgewiesen sind, sind die Holzkonzerne stark vertreten. Problematisch ist hierbei, dass die Betriebe überwiegend Monokulturen bewirtschaften, da jede Holzart verschieden genutzt wird. Zum Beispiel werden für die Herstellung von Papier bevorzugt „Douglasien“ (Abb. 11) und „Western Hemlocks“ angebaut. Die „Sitka Spruce“ wird hingegen eher für Bauholz benötigt. Die Holzwirtschaft ist bis heute der wichtigste ökonomische Zweig der Region. Die Aufforstung der Wälder erfolgt unter anderem durch Samenabwurf per Flugzeug. Allerdings liegen viele Waldflächen nach der Abholzung brach.

 

 

Abbildung 11: Truck beladen mit Douglasienstämmen auf dem Highway 101. Foto:  Voß 2016
Abbildung 11: Truck beladen mit Douglasienstämmen auf dem Highway 101. Quelle: Voß 2016

 

 

Weiterhin fiel die geringe Bevölkerungsdichte auf. Auf der Olympic Halbinsel leben viele indigene Völker, die in einfachen Holzhäusern leben und oft von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Viele von ihnen betreiben Casinos, jedoch sind sie an Reservate und Betriebe gebunden, weshalb dieses wenig nachhaltig ist.

Nachdem wir die Küstenbildung thematisiert und besprochen haben, führte die Fahrt weiter zum zweiten großen Tagespunkt (C) - dem Hoh Rain Forest Visitor Center (Abb. 12 und 13).


 

Abbildung 12: Eingang zum Hoh Rain Forest Visitor Center. Foto:  Hillringhaus 2016
Abbildung 12: Eingang zum Hoh Rain Forest Visitor Center. Quelle: Hillringhaus 2016

 

 

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee
Abbildung 13: Gebäude des Visitor Centers. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

1938 gründete Frank Roosevelt den Olympic Nationalpark, um die vom Aussterben bedrohten Roosevelt-Hirsche zu schützen. Das Gebiet umfasst etwa 370.000 ha (National Park Service 2016).

Während der Eiszeit formten Gletscher U-förmige Täler aus den westlich verlaufenden Flüssen Hoh, Queets und Quinault. Subduktionsprozesse und ein maritimes Klima bildeten einen engen Landschaftsstreifen mit einer Länge von circa 2.000 Meilen von der Südküste Alaskas bis Südoregon ragend. Aufgrund der Olympic Mountains in Küstennähe, werden vom Westen her die feuchten Luftmassen an das Gebirge gedrückt und zum Aufstieg gezwungen. Dadurch entsteht Steigungsregen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt hier 3.500 Millimeter. Aufgrund des Küstengebirges, der hohen Niederschlagsmengen, milden Winter sowie kühlen und feuchten Sommer befindet sich dort nun ein gemäßigter Küstenregenwald (Flyer Olympic National Park, o.J.).

Mit dem Fahrzeug kann das Hoh Rain Visitor Center nur auf dem Abzweig südlich von Forks (Upper Hoh Road) erreicht werden. Viele schöne Wanderwege durch den Regenwald haben hier ihren Ausgangspunkt. Wir durchliefen zuerst den „Spruce Nature Trail“ (Abb. 14). Dieser ist ein 1,2 Meilen langer Rundgang, welcher am Hoh River vorbeiführt und einen Höhenunterschied von weniger als 30 Metern hat.  Anschließend gingen wir den „Hall of Mosses“ entlang, der durch seine 0,8 Meilen etwas kürzer ist. Die Vielfalt des Regenwaldes wurde uns beim Durchqueren der Pfade deutlich. Über 130 Spezies von Moosen, Flechten und Farnen schmücken die Bäume (Abb.15). Diese unzähligen Arten kennzeichnen den gemäßigten Regenwald. Beispielsweise werden die Flechten und Moose als Epiphyten bezeichnet, die auf anderen Pflanzen wachsen, diesen jedoch keinen Schaden zu fügen. Sie besitzen keine Wurzeln oder Abschlussgewebe.

 

 

Abbildung 14: Pfadkennzeichnung Richtung Spruce Nature Trail. Foto: Hillringhaus 2016
Abbildung 14: Pfadkennzeichnung Richtung Spruce Nature Trail. Quelle: Hillringhaus 2016

 

 

Abbildung 15: Bedeckter Boden im Hoh Rain Forest. Foto: Busche 2016
Abbildung 15: Bedeckter Boden im Hoh Rain Forest. Quelle: Busche 2016

 

 

Nordamerikas gemäßigter Küstenregenwald produziert aufgrund des ganzjährigen feuchten Klimas die größte Akkumulation von organischen Substanzen auf der Erde, die sogar die der tropischen Regenwälder übersteigt (Flyer Olympic National Park o.J.).

Die bereits an der Küste gesichtete „Sitka Spruces“ sind auch hier angesiedelt. Besonders prägend sind jedoch immergrüne Nadelbäume, wie die „Western Hemlock“ und die „Douglas Fir“. Diese leben dort in Vergesellschaftung mit Laubgewächsen wie Ahorn und Zypressengewächse, wie die „Western Red Cedar“. Vor allem die „Sitka Spruce“ und „Western Hemlock“ erreichen eine Höhe von 200 Fuß und könne über 500 Jahre leben. Dies geschieht zum einen aufgrund der hohen Lebensdauer der Bäume und zum anderen wegen der fast ausbleibenden Brände, denn selbst in den Sommermonaten ist das Klima feucht. Aufgrund der alten Nadelbäume wird der Regenwald auch als „mature and old forest“ (VAN PELT 2004) bezeichnet.

Die dominierenden immergrünen Nadelbäume fügen sich zu einem geschlossenen Kronendach zusammen. Grundsätzlich sind diese in niedrigen Höhenlagen von 500 bis 800 m vorzufinden. Dies begründet das Vorhandensein der Bäume, da sich der Hoh Rainforest auf einer Höhenlage von etwas über 600 Meter über Null befindet. Merkmale einer „Western Hemlock“ sind vor allem ihr schlanker und eleganter Wuchs, ihre rissige Borke und eine geknickte Spitze. Sie wächst bis zu einer Höhe von 23 bis 37 Metern, max. 79 Meter (SIBLEY 2009). Die „Western Red Cedar“ hat ein sehr dünnes, schuppiges Blatt und hingegen der „Western Hemlock“ eine glatte Rinde und eine rötlich faserige Borke. Ihre Wuchshöhe liegt zwischen 18 bis 40 Meter (max. 85 Meter). Weitere Kennzeichen sind ihr oftmals breiter Wuchs an der Basis, eine konische Krone und überhängende Zweige (SIBLEY 2009). Die „Douglas Fir“ hat eine Wuchshöhe von etwa 24 bis 37 Meter (max. 99 Meter) mit häufig buschiger Krone. Besondere Merkmale sind ihre hängenden Zapfen, sehr weiche Nadeln und eine schuppige Borke. (Sibley 2009, S. 51). Die Ausmaße dieser unglaublichen Wuchshöhen und Stammumfänge konnten die Exkursionsteilnehmer in einem kleinen Versuch erleben (Abb. 16).

 

 

Abbildung 16: Es braucht mind. 8 Studenten um eine Douglas Fir zu umfassen. Foto: Wiedmann 2016
Abbildung 16: Es braucht mind. 8 Studenten um eine Douglas Fir zu umfassen. Quelle: Wiedmann 2016

 

 

Im Unterwuchs existieren Gewächse, die schattentolerant sind. Der Waldboden wird bedeckt durch verschiedenste Gebüsche, wie zum Beispiel die „Salmonberry“ und die „Huckleberry“. Außerdem existieren auf dem Boden unterschiedliche Arten von Farnen, wie der „Westamerikanische Schwertfarn“ und der „Wald-Frauenfarn“. Eine Vielfalt von Moosen und anderen Pflanzenarten füllen ebenfalls das Waldbild mit Farbe (Abb. 17). Herunterhängender „Spikemoss“ an Laubbäumen wie der „Bigleaf Marple“ oder „Cat tail moss“ an der „Vine Marple“ bilden eine naturwüchsige Szene (Flyer Olympic National Park o.J.).

 

 

Abbildung 17: Kleiner, umgefallener Baum bietet neuen Lebensraum. Foto: Busche 2016
Abbildung 17: Kleiner, umgefallener Baum bietet neuen Lebensraum. Quelle: Busche 2016

 

 

Die sogenannten „Nurselogs“, darunter verstehen sich tote Bäume, die neuen Boden besamen und somit neue Mikrosysteme erschaffen, spielen eine Schlüsselrolle. Diese abgestorbenen Bäume sowie das abgeworfene Laub und anderes biologische Material werden durch Destruenten abgebaut. Die daraus entstehenden Nährstoffe werden von Pflanzen wieder aufgenommen. Somit bilden die „Nurselogs“ den Nährboden für neue Bäume und andere Pflanzen.

Weiterhin spendet das Totholz Schatten für zahlreiche Tierwesen, wie z.B. Fledermäuse oder Spechte. Insekten zersetzen und recyceln Waldabfälle. Käfer, Termiten oder Ameisen bohren sich in tote oder schwache Baumrinden, entweder um sich zu ernähren oder um Eier zu legen. Dadurch tragen sie Pilzsporen in das Innere der Bäume, was die Zerlegung der Bäume zur Folge hat (Flyer Olympic National Park o. J.).

Durch das Umfallen der Bäume entstehen Lücken und Schneisen im Baumkronendach, sodass Licht in die unteren Baumschichten einfallen kann und führt wiederum zum Wachstum von Pflanzen (ALABACK 2010). Trotzdem befindet sich dort nur eine moderate Baumvielfalt, da der Regenwald aufgrund der letzten Eiszeit erst seit 5.000 Jahren besteht. Vorher wurde die Entwicklung durch Gletscher und Brände verhindert (VAN PELT 2004).

Durch den Regenwald fließt der Hoh River (Abb. 18). An seinem Ufer wachsen unter anderem Pappeln und Erlen. Der 50 Meilen lange Hoh River entspringt aus dem Glacier Hoh des Mount Olympus und mündet in den Pazifischen Ozean. Er speist sich aus Schneeschmelze und Regen (Flyer Olympic National Park o.J.). Gefallene Bäume schwimmen auf dem Fluss und schaffen neues Habitat für Lebewesen, indem sie die Abflussgeschwindigkeit an denjenigen Stellen verringern. Dadurch entstehen ruhige Pools, in denen Fische wie zum Beispiel Lachse leben. Weiter leben dort unter anderem Otter, Frösche und Salamander.

 

 

Abbildung 18: Blick aus dem Regenwald auf den Hoh River. Foto: Busche 2016
Abbildung 18: Blick aus dem Regenwald auf den Hoh River. Quelle: Busche 2016

 

 

Ferner leben im Wald unterschiedliche Tierwesen, wie zum Beispiel Bären, Biber, Roosevelt-Hirsche, Elche, Wapitis, Füchse, Stinktiere, Marder, Luchse, Hasen, Erdhörnchen und Murmeltiere (Abb. 19). Des Weiteren sind im Nationalpark mindestens 180 Vogelarten vorzufinden (Iwanowski’s Reisebuchverlag 2010).
Das außerordentlich vielfältige Tier- und Pflanzenleben entsteht aufgrund des Zusammenspiels von Ozean, Regenwald, der niedrigen Küstenregion, Flüssen, Berghängen und hochalpinen Region. Demzufolge wird deutlich, dass die einzelnen Ökosysteme stark aufeinander angewiesen sind, um funktionieren zu können (National Park Service 2016).

 

 

Abbildung 19: Wapitis neben dem Hoh River. Foto: Busche 2016
Abbildung 19: Wapitis neben dem Hoh River. Quelle: Busche 2016

 

 

Im Anschluss an den Regenwald fuhren wir erneut über den Highway 101 zur Küste und machten den nächsten Halt in Ruby Beach (D). Dieser Stopp war in der vorherigen Planung als Fotostopp gedacht, bot allerdings dem einen oder anderen ebenso die Gelegenheit in dem Pazifik baden zu gehen. Genau wie an den besuchten zwei Stränden am Vormittag, erhielten wir zwischen den Klippen, dem Treibholz und riesigen Felsbrocken einen atemberaubenden Blick auf den Ozean. Hier wird noch einmal deutlich, wie nah der Olympic Nationalpark am Ozean gelegen ist (Abb. 20). Neben uns sind an diesem Tag nur wenige weitere Besucher dort anzutreffen.

 

 

Abbildung 20: Angespültes Treibholz am Ruby Beach. Foto: Busche 2016
Abbildung 20: Angespültes Treibholz am Ruby Beach. Quelle: Busche 2016

 

 

Da die Zeit bereits weit fortgeschritten war und wir noch einige Stunden Fahrt vor uns hatten, war es den Studierenden freigestellt, ob sie auch am Kalaloch Beach (E) einen Fotostopp einlegen wollten.
Auf dem Weg zum Hotel in Eatonville (F) fuhren wir durch die Stadt Aberdeen, die früher einmal den Titel „Lumbercapital oft the world“ trug. Wegen der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre und folgender Schließung vieler Fabriken, stieg die Arbeitslosigkeit stark an, sodass der Ort gegenwärtig sehr verlassen und verkommen scheint.

 

 

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Quellen:


ALABACK, P. B. (2010): Ecological Characteristics of Temperate Rain Forests: Some Implications for Management of Bald Eagle Habitat. URL: http://raptors.hancockwildlife.org/BEIA/PAGES/Section-8.pdf (Stand: 09.12.2016).

Flyer Olympic National Park o.J

Iwanowski’s Reisebuchverlag (Hrsg.) (2010): 101 USA. Geheimtipps für Entdecker. 1. Auflage. Dormagen.

MALNIG, A. (2009): Tide Pools: Life at the Edge of the Sea. Minneapolis.

MCKAY, P. J. und T. A. TERICH (1992): Gravel Barrier Morphology: Olympic National Park, Washington State, U.S.A.. In: Journal of Coastal Research 8 (4), S. 813-829.

National Park Service (2016): Olympic. Forests of Rain. URL: https://www.nps.gov/olym/planyourvisit/upload/Hoh.pdf (Stand 09.12.2016).

Quileute Nation (2016): History. URL: http://www.quileutenation.org/culture/history (Stand: 10.12.2016).

SIBLEY, D. A. (2009): The Sibley Guide to Trees. 1. Auflage. New York.

VAN PELT, R. (2004): Identifying mature and old forests. In Western Washington. URL: http://file.dnr.wa.gov/publications/lm_hcp_west_oldgrowth_guide_full_lowres.pdf (Stand: 03.12.2016).