Die Landschaften im Nordwesten der USA und ihre Nutzungen 2017

Tag 14: Boise - La Grande

Verfasst von:

J. Schnaedelbach

 

Tagesübersicht
 

An unserem 14. Exkursionstags lag die Strecke von Boise, im Bundesstaat Idaho, nach La Grande, im Bundesstaat Oregon, vor uns. Am 05. September 2016 versammelte sich die Exkursionsgruppe um 08.00 Uhr morgens zum Tagesbriefing auf dem Parkplatz des Hotels Shilo Inn & Suites in Boise. Der thematische Schwerpunkt des Tages war im Gegensatz zu den vorherigen Tagen humangeographisch ausgerichtet. Im Mittelpunkt standen hierbei die Besiedlung und die Erschließung des pazifischen Nordwestens der USA.

 

Labor Day
 

Vor der Abfahrt wurde die Gruppe über die Hintergründe des Labor Day informiert, der auf den 05. September fiel. Der Ursprung des Labor Day in den USA ist nicht genau bekannt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass  Peter J. McGuire (Gewerkschaft der Zimmerleute) oder auf Matthew Maguire (Schlossergewerkschaft) die Urheber der Arbeiterbewegung in den USA waren. Der erste Labor Day in den USA wurde am 05. September 1882 in New York gefeiert und geht zurück auf die Achtstundentag-Bewegung der Gewerkschaften (FRIEDMANN 2010).

Der Labor Day markiert das Ende der Sommerurlaubssaison, sodass das gesamte Labor Day Wochenende von vielen US-Amerikanern für Ausflüge genutzt wird. Insbesondere haben wir dieses touristische Phänomen am 03. September im Grand Teton Nationalpark erleben können. Der Labor Day wird oft mit dem Tag der Arbeit in Deutschland verglichen. Dass ein tatsächlicher Vergleich jedoch nicht möglich ist wurde dadurch deutlich, dass die Tageseinkäufe ganz gewöhnlich erledigt werden konnten. Die Supermärkte hatten zum Großteil geöffnet, was auf ein wesentlich liberaleres Arbeitsrecht zurückzuführen ist. Nach den Tageseinkäufen brach die Gruppe eigenverantwortlich in den jeweiligen Autobesatzungen zum ersten geplanten Stopp des Tages, dem Oregon Trail Interpretive Center, auf. Die 137 Meilen lange Strecke führte im Wesentlichen entlang der Interstate 84 (Abb. 2). Bei Ontario wurde die Staatsgrenze nach Oregon passiert. Wenige Meilen nach der Staatsgrenze wurde auch die Zeitzonengrenze von der Standard Mountain Time zur Standard Pacific Time überquert. Die Uhren wurden also wieder eine Stunde zurückgestellt. Diese Zeitumstellung wurde während der Tagesplanung in Deutschland nicht berücksichtigt, sodass sich ein komfortabler Zeitpuffer für den restlichen Tagesablauf ergab.

 

 

Abbildung 2: Streckenverlauf des 05.09.2016. Quelle: Google Maps 2016
Abbildung 1: Streckenverlauf des 05.09.2016. Quelle: Google Maps 2016

 

Blue Mountains


Während der Fahrt wurde die Region der Blue Mountains durchquert. Diese Region umfasst 65.461 km² (ca. 25.263 mi²). Sie grenzt im Norden an das Columbia Plateau, im Osten an die nördlichen Rocky Mountains, im Süden an die Snake River Plains und das Great Basin und im Westen an die Cascade Mountain Range. Der Großteil der Blue Mountains liegt im Bundesstaat Oregon (83,5 %). Kleinere Teile liegen in Idaho (13,8 %) und in Washington (2,7 %). Die Blue Mountains bestehen im Wesentlichen aus vulkanischen Gesteinen. Ausnahmen bilden Sedimentgesteine und Granit (SOULARD o.J.). Während des Transfers hatte die Exkursionsgruppe die Möglichkeit individuell Fotostopps einzulegen. Die Autobesatzung um Herrn Prof. Duttmann legte den ersten Stopp zu Beginn der Blue Mountains am Ufer des Snake River ein. An den unterschiedlichen Färbungen der Ufersedimente konnten die nach Jahreszeit schwankenden Wasserstände des Flusses ausgemacht werden. Ein weiteres Indiz hierfür waren die Uferdünen, die nur im Sommer, bei recht geringem Wasserstand, sichtbar sind.

 

 

Abbildung 3: Der Snake River südlich der Farewell Bend State Recreation Area in Oregon. Die westliche Uferseite gehört zum Bundesstaat Idaho. Quelle: Julian Schnaedelbach 2016
Abbildung 2: Der Snake River südlich der Farewell Bend State Recreation Area in Oregon. Die westliche Uferseite gehört zum Bundesstaat Idaho. Quelle: Schnaedelbach 2016

 

 

Abbildung 4 zeigt die vier Krustenblöcke (Accreted Tarranes) der Blue Mountains inklusive der ‚Stitching Plutons‘, die durch Intrusions-Vorgänge entstanden sind. Der Ursprung der Terrane wird nicht im heutigen Nordamerika vermutet. Man geht davon aus, dass diese Krustenblöcke hunderte Meilen entfernt in flachen Gewässern entstanden sind, sich bei Subduktionsvorgängen von der Erdkruste gelöst haben und an den heutigen nordamerikanischen Kontinent andockten (MILLER 2014). Die Landnutzung, die auf der Fahrt nach Baker City beobachtet werden konnte, war zumeist von Weideviehwirtschaft geprägt. Die an einigen Stellen sehr zerklüfteten Oberflächen und die Absenz von Oberflächenwasser wiesen auf kalkhaltige Sedimentgesteine hin. Augenfällig waren darüber hinaus eine stillgelegte Industrieanlage zur Zementproduktion bei der Ortschaft Lime und zwei weitere, noch aktive Standorte zur Zementproduktion im Streckenverlauf.

 

 

Abbildung 4: Karte der vier Krustenblöcke der Blue Mountains.

Abbildung 3: Karte der vier Krustenblöcke der Blue Mountains. Quelle: MILLER 2014

 

Oregon Trail Interpretive Center
 

Nach ca. 2 Stunden und 20 Minuten Fahrt wurde das Oregon Trail Interpretive Center um 10.20 Uhr erreicht. Auf einem Teil des Außengeländes wurde durch eine kleine Ausstellung mit Laienschauspielern und echten Tieren ein authentischer Eindruck vom Siedleralltag im 19. und frühen 20. Jahrhundert vermittelt. Die Gruppe versammelte sich auf dem Parkplatz und erhielt den Arbeitsauftrag, während der Besichtigung des Oregon Trail Interpretive Center ein kurzes Quiz von 15 Fragen zu beantworten. Das Interpretive Center beheimatet auf ca. 1.115 m² eine sehr anschauliche dauerhafte Ausstellung, die über die Passage des Trails informiert. Darüber hinaus werden kurze Theaterstücke angeboten, in denen Tagebucheinträge von Siedlern nachgespielt werden. Neben dieser Dauerausstellung bietet sich die Möglichkeit auf einem ca. 6,5 km langen Wegesystem die Landschaft zu erkunden und die Flagstaff Goldmine zu besuchen, in der von 1898 bis 1920 Gold abgebaut wurde. Zur Besichtigung und zur Beantwortung der Fragen hatte die Gruppe 1,5 Stunden Zeit. Anschließend wurden die Fragen gemeinsam besprochen.

 

 

Abbildung. 5: Nachbau eines typischen Planwagens aus dem 19. Jahrhundert. Quelle: Fritjof Busche 2016
Abbildung 4: Nachbau eines typischen Planwagens aus dem 19. Jahrhundert. Quelle: Busche 2016

 

 

Der historische Oregon Trail erstreckt sich auf ca. 2.200 Meilen (ca. 3.540 km) von Independence im heutigen Missouri bis in das Willamette-Valley im heutigen Oregon. Schätzungsweise 300.000 Siedler passierten ab den 1840er Jahren bis in die 1880er Jahre den Trail mit den Zielen Oregon-County und Kalifornien (Bureau of Land Management o.J.). Zwischen 20.000 und 30.000 Menschen verloren ihr Leben während der Passage. Die Kosten für den vier bis sechs Monate andauernden Treck beliefen sich auf 800 bis 1.200 US Dollar (umgerechnet auf das Jahr 2016 wären dies ca. 30.000 US Dollar) (Bureau of Land Management o.J.; Federal Reserve Bank of Minneapolis 2016). Die Passage wurde mit Viehwagen angetreten, die in der Regel jedoch nur für den Lastentransport genutzt wurden (Abb. 5). Die Menschen ritten oder gingen zu Fuß neben den Viehwagen her.

 

 

Abbildung 6: National Trail System mit dem Startpunkt des Oregon Trail in Independence, Missouri.

Abbildung 5: National Trail System mit dem Startpunkt des Oregon Trail in Independence, Missouri. Quelle: National Park Service U.S. Department of the Interior o. J.

 

 

Abbildung 7: National Trail System mit der Abspaltung des Oregon Trail im heutigen Wyoming.

Abbildung 6: National Trail System mit der Abspaltung des Oregon Trail im heutigen Wyoming. Quelle: National Park Service U.S. Department of the Interior o. J.

 

 

Die Beweggründe für die beschwerliche Reise in Richtung Westen, auf die sich die Menschen begeben haben, um die Expansion der USA voranzutreiben, müssen als Kombination aus ökonomischen und ideologischen Beweggründen betrachtet werden. Nach den Expeditionsberichten von Meriwether Lewis und William Clark war vor allem das Willamette-Valley für Farmer von Interesse. Ein weiterer wirtschaftlicher Beweggrund lag darin, dass die US-Amerikaner an Hafenstandorten am Pazifik interessiert waren, um einen besseren Zugang zu asiatischen Märkten zu erlangen. Die von John L. O’Sullivan gelieferte Manifest Destiny (offenkundige Bestimmung) war die ideologische Doktrin, mit der die Westexpansion begründet wurde. Kern dieses Glaubenssatzes war, dass die USA eine göttliche Mission verfolgen, deren Ziel es war den gesamten nordamerikanischen Kontinent durch Freiheit und Demokratie zum Erfolg zu führen (EUE 1995, HEIDEKING und MAUCH 2008, BERG 2013).

 

 

Abbildung 8: Ausblick auf das Tal zwischen den Elkhorn Mountains (im Westen) und den Wallowa Mountains (im Osten) vom Parkplatz des Interpretive Centers, Blickrichtung Nord-West. Quelle: Fritjof Busche 2016
Abbildung 7: Ausblick auf das Tal zwischen den Elkhorn Mountains (im Westen) und den Wallowa Mountains (im Osten) vom Parkplatz des Interpretive Centers, Blickrichtung Nord-West. Quelle: Fritjof Busche 2016

 

 

Nach der Beantwortung des Quiz‘ stand die Mittagspause auf dem Programm, die von den Autobesatzungen individuell gestaltet werden konnte. Durch den aufgrund der Zeitumstellung gewonnenen Zeitpuffer hat sich die kurzfristige Gelegenheit geboten die Kleinstadt Baker City zu erkunden.

 

Baker City
 

Heute leben in Baker City ca. 9.900 Menschen (United States Census Bureau 2010). Die Stadt wurde 1865 nach einem Goldfund gegründet. Auffällig an Baker City ist, dass diese Stadt im Gegensatz zu vielen bisher auf der Exkursion besuchten Orten eine gut erhaltene und lebendige Altstadt hat. Eine besondere Attraktion der historischen Altstadt stellt das Geiser Grand Hotel dar. Außerdem wird in der Niederlassung der U.S-Bank in Baker City der Armstrong Nugget ausgestellt. Hierbei handelt es sich um ein ca. 2,3 kg schweres Gold-Nugget, das 1913 von dem Goldsucher Georg Armstrong im benachbarten Grant County gefunden wurde (JACOBY 2013). Nachdem die Mittagspause beendet wurde, machte sich die Exkursionsgruppe gegen 13.30 Uhr über den alten Highway 30 auf den Weg in das 20 Meilen nördlich gelegene North Powder.

 

 

Abbildung 9: Das 1889 erbaute Geiser Grand Hotel, 1996 Main Street in Baker City. Quelle: Julian Schnaedelbach 2016
Abbildung 8: Das 1889 erbaute Geiser Grand Hotel, 1996 Main Street in Baker City. Quelle: Schnaedelbach 2016

 

Ökologische Landwirtschaft auf der Agri-Star Farm
 

Der nächste Programmpunkt war ein Besuch auf der ökologisch betriebenen Agri-Star Farm von Douglas Lewis. Begleitet wurde der Besuch von Darrin Walenta vom Extension Service der Oregon State University. Lewis baut auf seinen 880 Acres Land überwiegend Kartoffeln an. Weitere Anbauprodukte sind Winterweizen, Alfalfa und Pfefferminze. Während des Besuchs referierte Lewis über die Herausforderungen des Organic-Farming. Im Wesentlichen kam er darauf zu sprechen, dass seine als ökologische Anbauflächen zertifizierten Felder von den Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft beeinträchtigt werden. Ein besonderes Problem sind hierbei die auf Nachbarflächen eingesetzten Pestizide und Herbizide, die sich auf seine Flächen ausbreiten. Als weiteres Problem beschrieb Lewis die große Distanz zwischen den Anbaugebieten ökologischer Erzeugnisse und den Hauptabsatzgebieten in den urbanen Ballungsgebieten, wie Portland oder Seattle. Im weiteren Verlauf des Besuchs wurde uns noch die Produktionshalle für Kartoffeln gezeigt. Außerdem wurde uns die Funktionsweise eines Getreidesilos inklusive der Reinigung des Getreides von der Samenschale von Mitarbeitern der Farm vorgeführt.

 

 

Abbildung 10: Verschiedene Kartoffelsorten, die auf der Agri-Star Farm angebaut werden. Quelle: Julian Schnaedelbach 2016
Abbildung 9: Verschiedene Kartoffelsorten, die auf der Agri-Star Farm angebaut werden. Quelle: Schnaedelbach 2016

 

 

Um 16.00 Uhr wurde der Besuch auf der Agri-Star Farm beendet. Die Exkursionsgruppe machte sich auf den Weg zu dem Zielort des Tages, La Grande. Die Route führte wieder entlang der Interstate 84. Nach 27 Meilen wurde das Hotel Rodeway Inn in der 402 Adams Avenue um 16.35 Uhr erreicht. Ursprünglich war für La Grande noch ein historischer Stadtrundgang geplant. Aufgrund der Tatsache, dass am darauffolgenden Tag eine vergleichsweise lange Strecke absolviert werden musste, entfiel dieser Punkt. Ersatzweise wurde im Rahmen der Tagesabschluss-Besprechung über die Maßnahmen der La Grande Urban Renewal Agency gesprochen. Ähnlich wie in Baker City ist auch in La Grande noch ein gut erhaltener alter Stadtkern vorzufinden. Die Agency bemüht sich durch die Generierung von öffentlichen und privaten Mitteln diesen alten Stadtkern zu erhalten und auch zu revitalisieren. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der charakteristischen Hauptstraße mit ihren Hotels und alten Theatergebäuden.

 

 

Abbildung 11: Gruppenfoto auf der Agri-Star Farm zusammen mit Douglas Lewis (links) und Darrin Walenta (rechts). Quelle: Lucas Hillringhaus 2016
Abbildung 10: Gruppenfoto auf der Agri-Star Farm zusammen mit Douglas Lewis (links) und Darrin Walenta (rechts). Quelle: Hillringhaus 2016

 

 

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Quellen
 

BERG, M. (2013): Geschichte der USA. München.

Bureau of Land Management (o.J.): Basic Facts About the Oregon Trail. URL: http://www.blm.gov/or/oregontrail/history-basics.php (Stand: 23.06.2016)

EUE, J. (1995): Die Oregon-Frage. Amerikanische Expansionspolitik und der Pazifische Nordwesten, 1814-1848. Münster.

Federal Reserve Bank of Minneapolis (2016): Consumer Price Index (Estimate) 1800. URL: https://www.minneapolisfed.org/community/teaching-aids/cpi-calculator-information/consumer-price-index-1800 (Stand: 20.06.2016)

FRIEDMAN, M. J. (2010): Labor Day Marks Appreciation of America’s Workers. Department of the State (USA). URL: http://iipdigital.usembassy.gov/st/english/article/2008/08/20080828161659xlrennef0.1218683.html (Stand: 18.11.2016)

HEIDEKING, J und C. MAUCH (2008): Geschichte der USA. 6. Auflage. Tübingen, Basel.

JACOBY, J. (2013): Precious memories. URL: http://www.bakercityherald.com/csp/mediapool/sites/BakerCityHerald/LocalNews/story.csp?cid=4150353&sid=818&fid=151 (Stand: 01.08.2016)

MILLER, M. B. (2014): Roadside geology of Oregon. 2. Auflage. Missoula.

National Park Service U.S. Department of the Interior (o. J.): National Trails System. URL: https://www.nps.gov/nts/maps.html

SOULARD, C. E. (o.J.): Blue Mountains Ecoregion Summary. Hg. v. United States Geological Survey. URL: http://landcovertrends.usgs.gov/west/eco11Report.html (Stand: 01.08.2016)

United States Census Bureau (2010): Census of Population and Housing. URL: https://www.census.gov/prod/cen2010/cph-2-39.pdf