Die Landschaften im Nordwesten der USA und ihre Nutzungen 2017

1. Tag: Tacoma - Port Angeles

Verfasst von:

C. Bohndiek 
B. Neubert
 

Puget Sound
 

Der erste Streckenabschnitt auf der Exkursion führte von Tacoma nach Port Angeles auf der Olympic Halbinsel. Die Strecke verlief zunächst im Osten und dann im Norden der Halbinsel. Die Küste im Osten ist geprägt durch den Puget Sound, auf den man auch aus dem Auto einen guten Blick hatte.

Der Puget Sound ist geprägt durch viele kleinere Inseln und tiefe Sunde. Die Tiefe der Sunde lässt auf ihre Entstehung schließen. Tektonische Prozesse führten zur Ausbildung dieser Vertiefungen des Meeresbodens. Die Landschaft wurde im Quartär glazial überformt. Allerdings war die Mächtigkeit der Eismassen hier nur noch so gering, dass auszuschließen ist, dass die Sunde allein durch Gletscherzungen geformt wurden. 

 

 

Abbildung 1: Kleine Insel im Puget Sound.
Abbildung 1: Kleine Insel im Puget Sound. Quelle: Bohndiek 2016

 

 

Die Sunde sind weitgehend schiffbar und auch die US Army nutzt ihre Tiefe. In Bremerton befindet sich die Naval Base Kitsap, ein Tiefwasserhafen und der Sitz des Flottenoberkommandos der US Streitkräfte. 

 

 

Tiefwasserhafen und Sitz des Flottenoberkommandos der US-Streitkräfte in Bremerton am Puget Sound
Abbildung 2: Tiefwasserhafen und Sitz des Flottenoberkommandos der US-Streitkräfte in Bremerton am Puget Sound. Quelle: Bohndiek 2016

 

 

Olympic Coast National Marine Sanctuary


Der erste Termin führte uns zum Expertengespräch mit Nicole Harris bei der Olympic Coast National Marine Sanctuary. Dort erfuhren wir erst Näheres über die Einrichtung, die eine von vierzehn National Marine Sanctuaries in den USA ist.

Die Olympic Coast National Marine Sanctuary ist zuständig für Wasserflächen, „intertidal areas“ und die dortigen Lebewesen (Delphine, Schildkröten, Seesterne, Seeigel, Pocken, Mondfische, Seehunde, Wale, Seelöwen, Oktopus, Quallen, Otter, Korallen, Seevögel). Verschiedene Projekte werden von der Sanctuary organisiert. Z.B. waren im frühen 19. Jahrhundert die Seeotter vom Aussterben bedroht. In Projekten der Sanctuary wurden einige Tiere aus Kanada an Olympic Coast umgesiedelt. Heute leben wieder mehr als 1700 Otter in Region.

Im Gegensatz zu Nationalparks erlaubt die Olympic Coast National Marine Sanctuary anthropogene Eingriffe in das Ökosystem. Allerdings ist das oberste Gebot dabei die nachhaltige Vorgehensweise. Um diese zu sichern, gibt es für wirtschaftliche Aktivitäten in der Sanctuary ein konkretes Regelwerk. Unter diese „regulations“ fällt z.B., dass im Bereich der Sanctuary keine Öl-, Gas- und Mineralienförderung betrieben werden darf.

Entlang der Küste der Sanctuary leben vier Tribes: Makah, Quinault, Hoh River, Quileute (in der Reihenfolge von Norden nach Süden). Für diese Indianerstämme stellt der Ozean seit langer Zeit die wirtschaftliche Grundlage ihrer Erwerbstätigkeit dar. So werden in Bezug auf die Eingriffe in das Ökosystem häufig Ausnahmereglungen für die Stämme gefunden. 

 

 

Totem eines einheimischem Tribes vor dem Sitzes des Marine Sanctuary
Abbildung 3: Totem eines einheimischem Tribes vor dem Sitzes des Marine Sanctuary. Quelle: Trampe 2016

 

 

Olympic Coast National Marine Sanctuary - Tsunamischutz


Zentrales Thema des Termins bei der Olympic Coast National Marine Sanctuary war dann der Schutz der Küstengebiete im Norden und Westen der Olympic Peninsula vor Tsunamis.

Die Subduktionszone, an der sich die Juan de Fuca Platte unter die kontinentale Platte schiebt, liegt etwa 150 Meilen vor der Küste der Halbinsel und ist 700 Meilen lang. Die Olympische Halbinsel ist demnach stark durch Erdbeben und Tsunamis gefährdet.

Bei Tsunamis, die durch Erdbeben im näheren Bereich entstehen, haben die Menschen vor Ort nur eine bis sieben Minuten Zeit, um zu reagieren. Doch die Erfahrung zeigt, dass zu langsam reagiert wird. Es werden durchschnittlich vier Informationsquellen hinzugezogen, bevor auf eine Tsunamiwarnung gehört wird, was wertvolle Zeit kostet. Im Idealfall sollen schon 20 Minuten nach einem Erdbeben in der Region alle Bewohner in sicheres Gebiet in höheren Lagen gelangt sein.

Vor allem die indigene Bevölkerung lebt in küstennahen, stark gefährdeten Gebieten und sollte in höhere Lagen umgesiedelt werden. Doch höheres Gebiet bietet keine marinen Ressourcen, was dem Verlust der Lebensgrundlage entspricht, sodass Siedlungen in Küstennähe sich nur langsam an den Gedanken einer Umsiedlung gewöhnen.

 

 

 

 

Zum Schutz vor Tsunamis sind in der Region verschiedene Maßnahmen vorgesehen. Am wichtigsten ist es, die Einstellung der Menschen durch Vorträge und Bildungsmaßnahmen zu ändern. Sie müssen ein Bewusstsein für die Gefahr entwickeln und im Ernstfall umgehend und routiniert reagieren. Dazu gehört unter anderem auch die Mitnahme von genügend Lebensmitteln und anderen notwendigen Dingen für 30 Tage auf höhere Lagen, falls man durch die Folgen des Erdbebens bzw. des Tsunamis von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Die Evakuierungsrouten sind in den Gebieten entlang der Küste ausgeschildert. Dabei wird z.B. in Port Angeles mit den Geschäften kooperiert, die im Fall einer Evakuierung ihre Türen öffnen, sodass die Menschen direkt durch die Gebäude vor den Wellen fliehen können, statt um die Häuserblocks herumlaufen zu müssen.

 

 

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee
Abbildung 6: Schild "Evacuation Route" am Straßenrand bei La Push. Quelle: Bohndiek 2016

 

 

Am Strand sind Warnanlagen mit Ansage und Blaulicht errichtet worden, die neben Einheimischen vor allem auch Touristen warnen sollen. Ein besonderes Warnsystem für die Einwohner ist ein Alarm, der innerhalb von einer Minute an 800 Telefone in der Region gesendet werden kann (zuerst werden Küstengebiete informiert, dann die höher gelegenen Haushalte).

Herzstück des Frühwarnsystems ist ein „digital weather/hazzard alert monitor radio“ in allen küstennahen Einrichtungen. Die Kosten für dieses Gerät belaufen sich auf  60 bis 100 $.

 

 

Abbildung 7: Digital weather/hazzard alert monitor radio. Foto: Wiedenhöfer 2016
Abbildung 7: Digital weather/hazzard alert monitor radio. Quelle: Wiedenhöfer 2016

 

 

Elwha River Restoration

Ein weiterer Termin führte uns mit Anne Shaffer an die Flussmündung des Elwha Rivers. Sie stellte uns das Elwha River Projekt vor und zeigt uns vor Ort das entstandene Flussdelta. Der Elwha River ist ein 72 km langer und recht steil verlaufender Fluss. Er ist in diesem Gebiet der Fluss mit dem größten Abfluss und liegt zum Großteil im Olympic-Nationalpark.

 

 

Abbildung 8: Exkursionsgruppe am Delta des Elwha River. Foto: Bohndiek 2016
Abbildung 8: Exkursionsgruppe am Delta des Elwha River. Quelle: Bohndiek 2016

 

 

Vor dem Bau der Dämme im Jahre 1913 war der Fluss für seine beeindruckenden Lachsbestände bekannt. Mit dem Bau der Dämme gingen diese stark zurück, da die erforderlichen Fischdurchgänge nicht mit errichtet wurden. Mit den Fischdurchgängen wurde auch der Sedimenttransport zum Ozean blockiert.   

Nach fast hundert Jahren wurde vom Kongress die Wiederherstellung der natürlichen Wasserscheide und somit die Entfernung der beiden Dämme beschlossen. Das Elwha River Projekt bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit zu erfahren, welche Veränderungen das Ökosystem nach der Entfernung der Dämme eintreten.

Das Elwha River Projekt ist mit der Entfernung der Staudämme und der Renaturierung des Ökosystems eines aufwendigsten und für die Wissenschaft interessantesten Projekte dieser Art. Selten gibt es die Möglichkeit, die Veränderungen des Flusslaufes und dessen Ökosystem nach der Entfernung eines Dammes zu beobachten sowie Daten und Informationen sammeln zu können, wie sich dieser wieder regenerieret. Die Erkenntnisse des Projektes sollen helfen, zukünftigen Maßnahmen des Dammabbaus und Restaurierungsprojekte verbessern zu können.

Als 2014 der Rückbau der Dämme beendet wurde, setzte auch wieder der Sedimenttransport ein. Von den erwarteten Sedimentmengen sind bereits 75% der Sedimente an der Flussmündung angespült worden. Diese akkumulierten sich dort und bildeten riesiges ein Flussdelta.

 

 

Abbildung 9: Delta des Elwha Rivers. Foto: Bohndiek 2016
Abbildung 9: Delta des Elwha Rivers. Quelle: Bohndiek 2016

 

 

Durch Quellen, Strömungen und der Wassertiefe wird ein Teil der Sedimente bis zum Hafen von Port Angeles transportiert. Dort beeinflussen und verändern sie nachhaltig den Küstenverlauf von Port Angeles. Mit den Sedimenten haben sich über die Jahre auch Äste und Holzstämme in den Stauseen angesammelt. Welche sich nun ebenfalls am Delta ablagern und überall am Strand aufzufinden sind.

 

 

Abbildung 10: Treibholz aus den Wäldern der Olympic Mountains am Delta des Elwha Rivers. Foto: Bohndiek 2016
Abbildung 10: Treibholz aus den Wäldern der Olympic Mountains am Delta des Elwha Rivers. Quelle: Bohndiek 2016

 

 

Eine Linie aus Steinen markiert die ursprüngliche Grenze des Strandes. Somit kann jeder Besucher einen Einblick bekommen welch enormen Sedimentmengen sich zuerst in den Stauseen und nun am Delta angesammelt haben. Der nun ungehindert verlaufende Sedimenttransport zeigt sich als ein wichtiger Faktor im Ökosystem Fluss. Er beeinflusst die Vegetation des Ökosystems und den Lebensraum der untersuchten Lachse positiv. Dies zeigen die wieder steigenden Populationszahlen der Lachse.

Mit dem Rückbau der Dämme wurden auch die Staubecken mit einheimischen Pflanzen neu bepflanzt. Botaniker und engagierte Freiwillige haben somit die ursprünglichen Grünflächen wiederhergestellt. Da der Fluss sich zu großen Teilen im Nationalpark befindet sollen er und das Delta unberührt von menschlichen Einflüssen bleiben. Das macht den Strand zu einem besonderen Highlight mit seinen angespülten Baumstämmen. 

Nach diesen interessanten Einblicken in das Elwha River Projekt hatten wir noch Zeit uns am Strand umschauen zu können und machten ein Gruppenfoto an einem alten angeschwemmten Baumstumpf.

 

 

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee
Abbildung 11: Gruppenfoto am ersten Exkursionstag. Quelle: Hillringhaus 2016

 

 

Hurricane Ridge in den Olympic Mountains


Der letzte Programmpunkt an diesem Tag war ein eher spontaner Stopp auf der Hurricane Ridge. Dieser Aussichtspunkt in den Olympic Mountains liegt auf 1598 m Höhe und bot uns einen eindrucksvollen Blick auf die Strait of Juan de Fuca im Norden und die Olympic Mountains im Süden. Benannt ist der Punkt nach den starken Winden, die dort auftreten können.

An den Hängen einiger Berg ließen sich die Rauchwolken von Waldbränden ausmachen. Das Thema „Waldbrände“, das wir hier erstmals bei der Abschlussbesprechung ansprachen, sollte uns über die gesamte weitere Exkursion begleiten.

 

                                                                  

 

Abbildung 14: Blick auf die Strait of Juan de Fuca von der Hurricane Ridge aus. Foto: Bohndiek 2016
Abbildung 14: Blick auf die Strait of Juan de Fuca von der Hurricane Ridge aus. Quelle: Bohndiek 2016

 

 

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